Da hatte sich Peter den Start in den Sommerurlaub sicher etwas anders vorgestellt. Seit dieser Saison liegt die „Piano“ im Fischereihafen von Maasholm. Idyllisch, wenn man Fisch mag. Aber wenn man sein Abendessen direkt nebenan vom Kutter kaufen kann, lockt das leider auch alle möglichen anderen Fischliebhaber an. – An der Ostsee sind das vor allem Möwen und Kormorane.

Vogeldreck überall an Bord

Vogeldreck überall an Bord

„Das Boot lag sechs Wochen allein am Steg und sieht nicht nur wie Scheiße aus, es riecht auch so“, berichtete er am Abend frustriert von Bord. Einen Tag später war zumindest das Gröbste beseitigt. Der zum Teil fest verkrustete Dreck musste aber sogar in Waschmittellauge eingeweicht werden. Dabei ist Möwendreck nicht nur unangenehm.. Die ätzenden Verdauungssäfte der Vögel greifen Lacke an, zerstören poliertes Gelcoat und sind zu guter Letzt auch noch gesundheitsschädlich.

Zur Krönung des Urlaubsauftaktes, verstopfte die Menge an Vogelkot am letzten Tag sogar die Lenzrohre im Cockpit.

Fest verkrusteter Dreck lies sich erst lösen, nachdem er die Persenning über Nacht mit Waschmittel einweichte.

Um nie wieder bis zu den Knöcheln in aufgeweichtem Dreck stehen zu müssen, hat er sich bei den Stegnachbarn nach Ideen zur Prävention umgesehen:

Fünf Tipps gegen Möwendreck

Ein grobes Netz über dem Boot erschwert das Landen

Ein grobes Netz über dem Boot erschwert das Landen

Ein einfaches grobmaschiges Netz verhindert das Schlimmste. Wichtig dabei ist, dass das Schutznetz nicht zu feinmaschig ist. Sonst können die Vögel darauf landen und sitzen. Auch sollte es nicht zu straff gespannt sein. Je lockerer es ist, desto schwerer haben es die ungebetenen Gäste, auf den feinen Bändseln der Maschen zu balancieren. Netze gibt es beispielsweise bei der Hamburger Tauwerk Fabrik in drei Meter Breite von der Rolle, (10,70 Euro pro Meter)

Deutlich mehr kostet ein Gull-Shock (www.gull-shock.com). Satte rund 115 Euro verlangt der Hersteller für die auf einer Grundplatte montierten Stahldrähte. – Die Montage erfolgt dabei mit einem Magneten von der Gegenseite. Die Idee ist auch hier, das Landen der Möwen von vornherein zu verhindern. Passieren soll das, indem die Enden der langen Metallstäbe über dem Boot schweben und den Vögeln so schlicht den Weg versperren.

Gull Shock erinnert an eine eine langbeinige Spinne

Gull Shock erinnert an eine eine langbeinige Spinne und schützt in einem Radius von ca 240 cm.

Ähnlich funktioniert auch die Möwenabwehr mit einem Rotor. Seine Wirkung zielt neben der vom Rotor bedeckten Fläche des Rotors auch auf die Abschreckung durch die Bewegung in der Nähe. Damit das funktioniert, ist etwas Wind erforderlich. Denn ohne den kommt der Rotor gar nicht erst in Bewegung. Außerdem verhakt sich der Rotor sehr leicht in einem lose herabhängenden Fall, Wanten oder Lazy Jacks. Damit ist er nur bedingt auf einem Segelboot, vor allem auf dem Bimini oder der Sprayhood zu gebrauchen. Je nach Hersteller kosten die Rotoren ab etwa 100 Euro.

Wenn es vor allem um den Schutz der Baumpersenning geht, hilft auch ein sehr dünner Draht, besser noch Angelschnur, der einige Zentimeter über dem Baum zwischen Mast und Dirk gespannt wird. Je dünner, desto besser wirkt er. Denn die Tiere haben dann keine Chance,auf ihm zu balancieren und können den Baum nicht zum Landen nutzen. Wer sich das Segelbergen mit Lazy Jacks vereinfacht, kann sich diese Arbeit sparen: „Wo Lazy Jacks am Baum waren, haben wir so gut wie keinen Möwendreck gefunden“, erklärt Peter.

Interessante Kombination aus Plastikrabe (bringt gar nichts), feinmaschigem Netz und Flatterband.

Interessante Kombination aus Plastikrabe (bringt gar nichts), feinmaschigem Netz und Flatterband.

Ähnlich preiswert ist Flatterband aus dem Baumarkt ein wahres Schnäppchen, das meist in dezentem Rot und Weiß gehalten ist. Es ist damit zugleich eine ansprechende Dekoration und beliebte Augenweide für die Stegnachbarn. Das Prinzip „Flatterband“ gibt es in allerlei Abwandlungen, beispielsweise als Plastikstreifen, die von einer zwischen Wanten und Achterstag gespannten Leine herabhängen oder endlang der LazyJacks montiert werden. Auch hier ist neben den Berührungen vor allem die ständige Bewegung, und das Flattern, der Ursprung der Idee. Man munkelt allerdings, dass die Probleme durch Möwen oft das kleinere Übel sind, wenn man nach dem ersten Gewittersturm auf den Hafenmeister trifft, der einem die im Umkreis eingesammelten Flatterbänder zurück gibt.

Die wichtigsten Maßnahmen gegen Möwen an Bord sind aber wohl, sie niemals zu füttern und vor allem: nicht in einem Fischereihafen zu liegen. Die Piano bleibt trotzdem in Maasholm, allerdings dekoriert sie inzwischen das oben beschriebene Netz. Wie gut das funktioniert, werden wir im Langzeitversuch im Auge behalten und in einigen Wochen berichten.

Alle Fotos: Peter Sorowka