Über eine Gesamtstrecke von 34.000 Seemeilen will der österreichische Extremsegler Norbert Sedlacek einhand und ohne Hilfe von außen über beide Pol-Routen erstmals durch alle Ozeane unseres Planeten segeln, natürlich ohne einmal anzuhalten. – Mehr solche Abenteuer bitte.

Die geplante Route durch die Nordwestpassage und um die Antarktis

Die geplante Route des ANT-ARCTIC-LAB durch die Nordwestpassage und um die Antarktis

Natürlich kann man über den Sinn so eines Unternehmens unter Fahrtenseglern vortrefflich streiten. Vermutlich würden es auch die meisten Menschen ihr leben lang bereuen, an den spannendsten Regionen der Welt vorbeizusegeln, ohne auch nur einen Landgang zu wagen. Aber das ist der Kompromiss, den man beim Rekordsegeln heute eingehen muss. Insbesondere, wenn man etwas als Erster machen möchte und da ist Non-stop inzwischen wohl von der Kür zur Pflicht geworden.

Überhaupt wird es zunehmend eng in Sachen Seglerrekorden. Wer heute auf Rekordjagt geht, bricht meist nur noch längst bestehende und, in der Regel bereits etliche Male vorher gebrochene, Bestmarken.

Etwas Schneller, etwas besser, etwas Ruhm.

Das ist nicht besonders Kreativ und schon gar nicht spannend. Zuletzt hat beispielsweise das Team Brunel auf der ARC zwischen Las Palmas de Gran Canaria und der Rodney Bay, mit 8 Tagen, 7 Stunden, 39 Minuten und 30 Sekunden, wieder so einen Rekord gebrochen.

Im dritten Jahr in Folge hat damit eine Rennyacht ihre Bestmarke hinterlassen, die bei einer Atlantic Ralley für Cruisers so deplatziert wirkt, wie ein Fiat Panda in der Startaufstellung eines Formel 1 Rennens. – Zum Dritten Mal bejubelt von der eigenen Crew und den Vertretern des World Cruising Clubs und zum dritten Mal kräht selbst in der von Segelfreaks wimmelnden Regattaszene kaum noch ein Hahn danach. Rekordsegeln hat in vielen Bereichen längst den Charakter und Wert gewonnener Castingshows im Fernsehen: Fünf Minuten Ruhm, dann folgt die nächste Staffel.

Anders ist es, wenn man etwas als Erster macht. Matt Rutherford beispielsweise hält so einen Rekord. Als erster segelte der Amerikaner, obendrein mit einer recht betagten schwedischen Albin Vega, um Nord und Südamerika. In einem Rutsch durch die Nordwestpassage und ums Kap Hoorn. Seit dem gehört Rutherford zu den Namen und Bestmarken, die man im Kopf behält. Ein Seglercharakter, der sich im kollektiven maritimen Gedächtnis einen Platz verdient hat.

Skipper Norbert Sedlacek - Foto: ant-arctic-lab.com

Skipper Norbert Sedlacek – Foto: ant-arctic-lab.com

Auf dem Weg zu so einer Bestmarke, und zumindest im kollektiven Segler-Gedächtnis Österreichs angekommen, ist auch Norbert Sedlacek. Unter anderem umsegelte der zwischen 1996 und 1998 einhand in der „Nussschalen-Klasse“ die Welt und später die Antarktis. Seit dem kamen Starts bei internationalen Regatten wie The Transat und der Vendeé Globe hinzu.

Mit dem Ant-Arctic-Lab plant Sedlacek für 2018 nun eine eigene internationale Bestmarke zu setzen. Deren Eckdaten lesen sich spannend:

34.000 sm – Nonstop – Einhand – ohne Hilfe von außen – durch alle Ozeane – durch die Nordwestpassage und um Kap Hoorn.

Teile dieser Route liegen übrigens auf der Route von Matt Rutherford. Dessen Rekordzeit könnte Sedlacek also nebenbei ohne Probleme pulverisieren. – Inklusive einer Erweiterung um eine Weltumsegelung. Schließlich passt Rutherfords Albin Vega in Sachen Performance etwa wie besagter Fiat Panda bei der Formel 1 zu dem über 18 Meter lange Open60 Prototyp, mit dem die Fahrt unternommen werden soll. Aber Um Bestzeiten geht es auf diesem Törn eben gerade nicht. Die sind immer an bessere Technik und fortgeschrittene Entwicklung gekoppelt. Eines Tages wird jemand Sedlacek auf seiner Route folgen und dabei schneller sein, irgendwann liegt die ARC-Bestmarke bei sieben Tagen und vielleicht segelt auch eine Albin noch mal schneller um Nord- und Südamerika. – Nur als Erster kann eben auf all diesen Routen niemand mehr starten.