Piraterie in den Philippinen. Droht ein neues Somalia?

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Weltweit nehmen Berichte über Piraterie und Kriminalität gegen Segler seit Jahren zu. Der absoluten Zahl muss dabei immer auch die Relation folgen: Es gibt auf den Weltmeeren heute mehr Segler als je zuvor. Für den einzelnen Segler ist das Risiko, auf Langfahrt überfallen zu werden vermutlich kaum größer, als früher.

Es lohnt sich also, die Entwicklungen im Auge zu behalten und die eigene Route an den Hotspots der Piraterie vorbei zu planen. Dass dabei vor allem die klassische Barfußroute immer neue Dellen bekommt, steht auffällig außer Frage.

Piraten Hot Spot Philippinen

Karte von Malaysia, Indonesien und den Phillipinen mit Barfußroute. Karte: Hinnerk Weiler

Die Sulusee gehört zur klassischen Barfußroute auf dem Weg vom Pazifik in den Indischen Ozean. Da aber die Weiterfahrt in Richtung Mittelmeer ebenfalls unsicher ist, entscheiden sich immer mehr Yachten, direkt von der Australischen Küste Richtung Afrika aufzubrechen. (Karte: Hinnerk Weiler)

Besorgniserregend sind in diesem Zusammenhang in letzter Zeit vor allem Berichte aus den Philippinen. Allein in diesem Jahr wurden philippinischen Gewässern mehr als 25 Seeleute von Piraten entführt. Immer wieder sind darunter auch Segler. Wie die Yacht online berichtete, traf es am vergangenen Wochenende drei indonesische Segler, die in den Gewässern vor Malaysia entführt wurden und anschließend auf eine Insel in den Philippinen verbracht wurden.

Der Indonesische Sicherheits Minister Luhut Panjaitan warnte bereits im April davor, dass die Region Gefahr läuft, sich zu einem „neuen Somalia“ zu entwickeln. Insbesondere die Zahl der Vorfälle und die Brutalität der Täter lässt inzwischen immer öfter parallelen erkennen.

Auf der regionalen Nachrichtenseite GMA News widerspricht der philippinische Staatssekretär für Auslandsangelegenheiten Perfecto Yasay dem deutlich: „Die Zustände in Somalia seinen nicht die Gleichen, wie in den südlichen Philippinen. Hier gibt es eine effektive Regierung, die die volle Kontrolle hat.“

Malaysia, Indonesien und die Philippinen haben sich trotzdem auf eine gemeinsame stärkere Militärpräsenz in der am stärksten betroffenen Sulusee geeinigt. Dort sollen auch begleitete Konvois für Yachten angeboten werden.

Hinter den Überfällen wird die zum Terrornetzwerk al-Quaida gezählte Gruppe Abu Sayyaf vermutet. „Wir haben es hier mit Kriminellen zu tun, die sich die geographische Lage und Topographie zunutze machen“, erklärte Yasay. Die Vielzahl der kleinen Inseln macht es den Tätern einfach, ihre Verstecke häufig zu wechseln und ihre Geiseln immer wieder an neue Orte zu bringen. Unter ihnen befindet sich nach wie vor auch ein Norweger, der zusammen mit zwei Kanadiern bereits im April aus einer Marina entführt wurde. Die beiden Kanadier wurden inzwischen tot aufgefunden, nachdem Kanada eine Lösegeldzahlung kategorisch abgelehnt hat.

Coverfoto: fotolia/nolight

Von | 2016-11-08T22:42:38+00:00 15. Juli 2016|Piraterie & Kriminalität auf See|0 Kommentare

About the Author:

Seit über zehn Jahren schreibt Hinnerk als Wassersportjournalist über Segeln, Technik und Reisen auf dem Meer. Unter anderem ist er häufig in der „segeln“ zu lesen und macht mit dem Segelradio einen eigenen Podcast. 2013 hatte er die Idee mit SegelnBlogs ein Blognetzwerk und Online-Magazin mit Schwerpunkt im Fahrtensegeln zu gründen.

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