Einmal Südpolarmeer und zurück. – Die „Dagmar Aaen“ ist nach nur einem Jahr mit mehr als 21.000 Seemeilen im Kielwasser wieder im Hamburger Hafen.

Thematisch stand die Expedition „OCEAN CHANGE“ vor dem Hintergrund der Veränderung der Weltmeere. Speziell die Probleme der Überfischung und Verschmutzung durch Plastikmüll wurden während der langen Fahrt dokumentiert. Parallel dazu war ein Schwerpunkt der Expedition die Produktion zweier Dokumentationen für das ZDF sowie einer dreiteiligen Story für National Geographic Deutschland.

Für die Crew um Arved Fuchs, die in den vergangenen Jahren fast ausschließlich die polaren Zonen der Erde bereiste, ging es dabei in ungewohnte Regionen, wie das afrikanischen Guinea-Bissau und die Bissagos-Inseln.

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Karte: Hinnerk Weiler

Auch Kap Hoorn, dass Fuchs vor 32 Jahren als erster Mensch im Winter mit einem Faltboot umrundete lag auf der Strecke. In diesem Winter zeigte sich das Kap von seiner typischen Seite: Ein Tief reihte sich an das nächste, wilde Strömungen und wüste Kreuzseen prägten das tägliche Bild. Um die Drake-Passage auf dem Weg zur antarktischen Halbinsel zu queren, musste ein geeignetes Zeitfenster erwischt werden, um nicht in ein weiteres Sturmtief mit Wellenhöhen von sechs Metern zu geraten.

Dies alles unter Zeitdruck, denn die Bereisung der Antarktis und ein geplantes Pinguinprojekt im Rahmen der National Geographic Artikel waren nur in einem knappen Zeitrahmen möglich.

Daneben stand die Spurensuche nach den weltweiten Problemen von Fischern auf dem Programm. Auf den vielen Fahrten der „Dagmar Aaen“ entlang der Küsten dieser Erde suchte die Crew immer wieder das Gespräch mit lokalen Fischern von der Nordsee über Grönland, von Neufundland bis nach Feuerland. Überall ähneln sich die Aussagen:

„Große kapitalkräftige Fischereibetriebe sind kerngesund, die kleinen Betriebe müssen kämpfen und geben nach und nach auf.“

Während die Lage in Norwegen mit dem Kabeljaufang noch weitgehend in Ordnung scheint, sieht es des auf der iberischen Halbinsel beispielsweise komplett anders aus: An der „Costa da Morte“ nördlich des Kaps Finisterre kämpfen die Fischer ums Überleben und verdienen laut einer Greenpeace-Studie gerade mal 8.000 Euro pro Jahr – Tendenz fallend.

Überfischung und Plastikmüll

Vor den Küsten Südamerikas konnte die Crew große asiatische Fangflotten mit Frostern, Tank –und Frachtschiffen beobachten, die die See im industriellen Maße ausbeuten. Bereits auf der Hinfahrt entlang der Küsten Frankreichs, Portugals, Spaniens, den Kap Verden und Brasiliens erlebte die Besatzung der „Dagmar Aaen“ ähnliche Vorgehensweisen. In Gesprächen mit vielen Küstenfischern erfuhr Fuchs, dass zahlreiche dieser Fischer ihren Kindern abraten, das traditionelle Geschäft weiterzuführen.

Fischernetze, Wasserflaschen, Tüten und -Verpakungen Müll im Meer wird uns noch auf Jahrhunderte begleiten (Foto: Hinnerk Weiler)

Fischernetze, Wasserflaschen, Tüten und -Verpakungen Plastikmüll im Meer wird uns noch auf Jahrhunderte begleiten (Foto: Hinnerk Weiler)

Jährlich werden Millionen Tonnen Meerestiere aus den Gewässern gezogen, viele Bestände sind stärker bedroht als bisher gedacht. Laut dem Zweijahresbericht der UNO zum Fischfang sind 52 % der Meeresfisch-Bestände so intensiv befischt, dass eine Steigerung nicht mehr möglich ist.

Ein großes Problem stellt zudem der Beifang dar, Schätzungen gehen von weltweit 39 Millionen Tonnen aus, in der Nordsee wird beispielsweise ein Drittel des Fangs als Abfall über Bord geworfen – das sind eine Million Tonnen Fisch und andere Meerestiere.

Parallel zur Überfischung haben die Weltmeere mit dem Problem des Plastikmülls zu kämpfen. Dieser Müll wird im Meer fast nicht abgebaut und ist nahezu unvergänglich. Er zerfällt – wenn überhaupt – nur langsam über Zeiträume von Jahrzehnten, manchmal Jahrhunderten durch die Einwirkung von Salzwasser, UV-Licht und Reibung. Eine Plastiktüte benötigt beispielsweise 10-20 Jahre, ein Styroporbecher ca. 50 Jahre und eine PET-Flasche 450 Jahre, bis sie vollständig zerfallen ist.

Pro Jahr werden 300 Millionen Tonnen Plastik produziert, davon landen mehr als 10 Millionen Tonnen als Müll in den Ozeanen.

Nach einem Jahr auf See kehrt die Darmar Aaen mit Abenteurer Arved Fuchs nach Hamburg zurück (Foto: Arved Fuchs Expeditionen)

Nach einem Jahr auf See kehrt die Darmar Aaen mit Abenteurer Arved Fuchs nach Hamburg zurück (Foto: Arved Fuchs Expeditionen)

Auf jedem Quadratkilometer der Wasseroberfläche treiben inzwischen bis zu 18.000 Plastikteile unterschiedlichster Größe. Während der langen Reise der „Dagmar Aaen“ hat die Crew zahlreiche Stellen im Meer gesichtet, fotografiert und die Positionen festgehalten. Einzig die antarktische Region ist weitgehend verschont vom Plastikmüll, da dort strenge Restriktionen greifen, die bereits in den 1980er Jahren verfügt wurden.

Gleich zwei Besuche gab es während der langen Reise in der Metropole Rio de Janeiro, wo am Freitag die Olympischen Spiele eröffnet werden. In der Guanabara-Bucht vor Rio finden die Segelwettkämpfe der diesjährigen Spiele statt. Vor Ort machte sich die Crew ein Bild vom Zustand des Wassers in der Bucht.

Zwar wurde versucht, die Unmengen an Müll zu beseitigen, die Qualität des Wassers wird dadurch jedoch nicht besser. Gefährlicher als der sichtbare Müll, der von den Hängen der Favelas ins Wasser weht, sind die Bakterien und Krankheitserreger, die durch unkontrollierte, nicht ausreichend geklärte Zuflüsse ins Wasser gelangen. Durchfallerkrankungen und andere Malaisen sind die Folge.

„In Rio de Janeiro werden die Segler sich bei ihren Wettkämpfen auch um den Schutz der eigenen Gesundheit kümmern müssen“, lautet das nüchterne Resümee.

400 Jahre Kap Hoorn

Neben der Berichterstattung für das National Geographic-Magazin war auch eine TV-Dokumentation über das Kap Hoorn Teil der Reise. Vor 400 Jahren, am 29. Januar 1616 wurde das Kap vom niederländischen Seefahrer Willem Cornelisz Schouten entdeckt und erstmals umrundet. Zu Ehren des Rates der Stadt Hoorn benannte er es Capo Hoorn.

Eine Umrundung des Kaps gehörte schon immer zu den gefürchtetsten Schiffspassagen der Welt, bis zur Eröffnung des Panamakanals 1914 war es die einzige Möglichkeit, vom Atlantik aus zur amerikanischen Pazifikküste zu gelangen. Schätzungen zufolge wurde die See vor Kap Hoorn mehr als 800 Schiffen und mehr als 10.000 Menschen zum Verhängnis.
Die ZDF-Dokumentation zum 400-jährigen Jubiläum beleuchtet die spannende Geschichte dieses legendären Kaps.

Auch eine zweite TV-Dokumentation befasst sich mit Seefahrtshistorie: Im November 1927 reiste der deutschen Marineoffizier Gunther Plüschow mit seinem Expeditionskutter „Feuerland“ von Büsum nach Punta Arenas in Chile. Seine Reise führte über Teneriffa, Bahía, Rio de Janeiro, Montevideo und Buenos Aires bis an die Südspitze des Kontinents. Eine ähnliche Route wählte Arved Fuchs auf seinem Weg von Hamburg nach Feuerland.

Plüschow baute nach der Ankunft in der Werft von Braun y Blanchard in Punta Arenas den Heinkel-Doppeldecker HD 24 W, mit dem er als erster Mensch die Darwin-Kordilleen und das Kap Hoorn überflog. Im Juli 1929 kehrte er nach Deutschland zurück und veröffentlichte das Buch „Silberkondor über Feuerland“ sowie den gleichnamigen Film. Als er Ende 1930 seine Forschungen in Südamerika fortsetzen wollte, stürzte er am 28.01.1931 in den Rico-Arm des Lago Argentino und kam dabei ums Leben. Die Doku erinnert an den Flugpionier.

Im Zuge der Arbeiten an beiden Dokumentationen erlebte die Crew auf der „Dagmar Aaen“ die Unberechenbarkeit und die Schönheit der Natur an der Südspitze Amerikas kennen. Gewaltige Stürme, die Wucht haushoher Wellen, gefährliche Kreuzseen in der Drake Passage sowie in den „Roaring Forties“ auf dem Rückweg nach Europa Wellen von bis zu 10 Meter Höhe. Im Gegensatz dazu aber auch die fantastische Tierwelt der Antarktis: unzählbare Pinguine, Buckelwale, Pelzrobben und Albatrosse entlang der Küsten der antarktischen Halbinsel ließen die Crew auf dem Haikutter ins Schwärmen geraten.

Die Sendetermine gibt es natürlich rechtzeitig auf SegelnBlogs zu lesen

Titelfoto: Arved Fuchs Expeditionen