Bremen hat vor kurzem seine Bootsmesse verloren und bekommt nun eine Bootsmesse. – So jedenfalls lauten die Pläne, die heute dem Weser-Kurier zu entnehmen sind. Pläne wohlgemerkt, die schon überraschend konkret klingen. Mit an Bord, und das überrascht dann schon etwas: Die Bremer Wirtschaftsförderung, die auch Veranstalter der wegen mangelnder Rentabilität gerade nach Hamburg verkauften „boatfit“ war.

Natürlich wird darum auch alles etwas kleiner und überschaubarer. Statt mit den rund 11.000 Besuchern der letzten boatfit rechnen die Initiatoren der Idee nun eher mit 2.000 Interessierten. Statt an teure Messehallen, denkt man zudem an das Bürgerhaus, in dessen Saal rund 30 Aussteller passen sollen. Dazu fällt einem eine einfache Kaufmannsregel ein:

Sinken Kosten parallel zu den Einnahmen, wird der Betrieb zwar etwas billiger, bleibt aber unrentabel.

Neue Messe in Bremen wenig neue Ideen

  • Was bleibt: Refit und Bootsbau sollen das Kernthema ausmachen.
  • Was verpasst wurde: Konsequente Umsetzung des Kernthemas.

Denn den Titel „Messe“ hatte schon die alte Messe in Bremen eigentlich nicht verdient. Er lag nahe, weil das Event in den Bremer Messehallen stattfand, daneben lagen die Qualität des letzten Februarwochenendes in den vergangenen Jahren woanders, wie auch Mitinitiator Klaus Schlösser, der bis zum Verkauf der boatfit das Seminarprogramm organisierte, sagt:

„Die boatfit hatte aufgrund ihrer inhaltlichen Qualität einen Wert auch als Treffpunkt“, zitiert ihn der Weser-Kurier in seinem Artikel.

Diesen Gedanken sollten die Aktiven rund um die Idee gern weiterdenken. Denn das Konzept einer defizitären Bootsmesse mit Schwerpunkt Refit einfach nur im Kleinen neu aufzulegen klingt mehr nach kindlicher Bockigkeit, denn nach einem Plan. Vor allem blendet es aus, dass zehn Jahre boatfit den Bremer Steuerzahler vermutlich mehr gekostet haben, als die ausstellenden Unternehmen durch die Messe in dieser Zeit zusammen verdient haben dürften.

Refit-Know-How statt Messe

Dabei ist unbestritten, dass das Seminar und Vortragsprogramm der Bremer boatfit die eigentliche Triebkraft war. Nach Bremen kam man nicht, um Innovationen zu bestaunen, nicht zum Einkaufen und neue Boote gab es dort auch nie zu sehen. Den Weg an die Weser unternahmen die Besucher vor allem, um dort zu lernen.

Dass die Informationsdichte eines zweitägigen Fach-Events nicht verlustfrei vom neuen Eigentümer der Marke in die neun Tage dauernde Publikumsmesse hanseboot übernommen werden kann, liegt auf der Hand. Auch, weil die Aussteller dafür über diesen Zeitraum kaum die Ressourcen aufbieten werden, die an einem Wochenende möglich sind.

Extreme Qualität der Vorträge und enge Taktung war und bleibt daher der Schlüssel zum Erfolg der Bremer Idee. Die Ausstellung aber sollte bestenfalls schmückendes Beiwerk sein.

Gerade mit Blick auf die begrenzten Räumlichkeiten sollten die Veranstalter die Idee einer neuen Messe in Bremen daher ganz schnell verwerfen. Denn mit Hamburg nebenan, und Düsseldorf in relativer Nähe, wird eine Bootsmesse in Bremen-Vegesack weniger erfolgreich sein, als früher in den Bremer Messehallen gegenüber vom Hauptbahnhof.

Für 2.000 Besucher ein Programm anzubieten, ist zudem ein kostspieliges Spektakel, das mit Blick auf die dabei erzielte Reichweite auch noch wenig vielversprechend ist.

Refit-Kongress als Alternative

Was sich aber lohnen würde: Einen heilenden Schnitt in die Idee zu wagen, den Ballast der Ausstellung soweit wie möglich abzuwerfen und von der bereits gescheiterten Idee einer Messe den Schritt zu Deutschlands Refit-Kongress zu wagen. Als Fachtagung, die die Informationsmasse noch weiter verdichten kann und gleichzeitig den Charakter des Branchen- und Szenetreffs weiter in den Vordergrund bringt.

Dieser Refit-Kongress ließe sich besser kommunizieren, inhaltlich von echten Bootsmessen abgrenzen und obendrein den Standort nicht nach peinlicher Notlösung aussehen.