Bei stürmischer See ist am vergangenen Wochenende ein 60-Jähriger Segler aus seinem Cockpit über Bord gespült worden. Das Unglück ereignete sich in der aufgepeitschten Nordsee bei heftigen Gewitterböen um acht Windstärken rund drei Meilen vor St. Peter Ording.

Wie das Hamburger Abendblatt unter Berufung auf die DGzRS berichtet, konnte ein Rettungshubschrauber den Mann wenige Minuten nach der Alarmierung aus den rund 2,5 Meter hohen Seen bergen. Er verstarb dennoch später im Krankenhaus.

Notfallmanagement im Seenotfall

SAR-Helikopter können erreichen jeden Ort der Küste schnell erreichen (Archivbild: Hinnerk Weiler)

SAR-Helikopter können jeden Ort der Küste schnell erreichen (Archivbild: Hinnerk Weiler)

Der Marine-Rettungshubschrauber aus Helgoland wurde durch den Mayday-Ruf des zweiten Crewmitglieds gestartet und war nur sechs Minuten nach der Alarmierung in der Luft.

Das macht den Vorfall, obwohl er am Ende doch unglücklich ausging, zu einem Beispiel in Sachen Notfallmanagement an Bord:

Wir verzichten ganz bewusst darauf, über Ursachen und das Verhalten der Crew vor dem Unglück zu spekulieren. Das Rekonstruieren der Ursache ist Aufgabe der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung.

Dennoch bietet sich der Vorfall an, über Notfälle an Bord nachzudenken. Denn was passiert, nachdem ein Crewmitglied über Bord geht? – Schnelles alarmieren der Seenotrettung ist wichtig.

Auf einem Segelboot erscheint die Deutsche Bucht als riesiges Seegebiet. Doch für den nur sechs Minuten nach dem Alarm gestarteten Helikopter ist die Strecke nach St. Peter Ording in wenigen Minuten zu schaffen. Wie der Weser Kurier berichtet, war der Mann insgesamt etwa eine halbe Stunde im Wasser.

In dieser Zeit ist es bei den herrschenden Wind und Wellenverhältnissen einem unvermittelt zum Einhandsegler gewordenen Crewmitglied kaum möglich, eine Yacht in die Nähe eines Überbordgegangenen zu manövrieren und einen erfolgversprechenden Bergungsversuch im Alleingang zu unternehmen.

Auffällige Kleidung: Bei Personen im Wasser immer ein Pluspunkt

Albtraum: Der Segler wurde bei von einer überkomenden See über Bord gespült (Archivbild: Hinnerk Weiler)

Albtraum: Der Segler wurde bei von einer überkommenden See von Bord gespült. (Archivbild: Hinnerk Weiler)

Die Hubschrauberpiloten konnten den, laut Hamburger Abendblatt leblos im Wasser treibenden, Mann offenbar schnell ausmachen: Hilfreich ist dabei stets auffällige Kleidung. Besonders im Herbst, Winter und Frühling und bei aufgewühlter See sind die Ölzeugfarben Rot, Gelb und Orange im Wasser eine unschlagbare passive Hilfe.

Signalfarben können im Wasser zum Lebensretter werden. (Archivbild: Hinnerk Weiler)

Signalfarben können im Wasser zum Lebensretter werden. (Archivbild: Hinnerk Weiler)

Natürlich gilt das erst Recht für den aufgeblasenen Schwimmkörper einer aktivierten Rettungsweste. Angesichts der schnell einsetzenden Dämmerung in dieser Jahreszeit, und häufig schlechter Sicht, sind auch Blitzlampen eine wichtige Ausrüstung.

[Nachtrag mit Dank an Urs] Ebenfalls sehr hilfreich ist ein AIS-Sender, der kontinuierlich die Position des Überbordgegangenen sendet. Das Signal wird von Rettungskräften und anderen Schiffen mit AIS-Empfängern in der Umgebung aufgefangen und als Notfall angezeigt.

Blau, Grau und bei Seegang mit brechenden Wellen auch Weiß sind dagegen aus der Luft kaum im Wasser zu erkennen.

Der Unglücksort muss klar sein

Zwei Hubschrauber und mehrere Rettungskreuzer sind laut Weser Kurier an der Suche beteiligt gewesen. Damit eine Alarmierung erfolgreich sein kann, müssen die Retter aber vor allem wissen, wohin sie müssen. Die beste Möglichkeit dafür ist, im Notfall – egal welcher Art – erst einmal mit der MOB-Taste am Kartenplotter die exakte Unglücksposition festzuhalten. Mitsegler müssen dazu wissen, wie diese funktioniert und auch im Stande sein, die angezeigte Position per Funk übermitteln können.

Noch einfacher geht das nur, wenn man ohne zu zögern Gebrauch von der DSC-Alarmierung heute handelsüblicher Funkgeräte macht. Dann wird die Position automatisch an die Rettungskräfte auf digitalem Weg übermittelt. – Jede Minute Zeitverlust, in der die Yacht weiter segelt, bedeutet eine Verfälschung des Unglücksortes und verfälscht die Berechnungen für die Abdrift bei den Rettern.

Im Notfall ist schnelles Alarmieren entscheidend: Die Rettungskräfte wissen, das etwas passiert ist. Vor allem aber wissen sie wo.

Das gilt auch, wenn man als verbliebenes Crewmitglied noch alle Hände voll zu tun hat, das Schiff stabilisieren, Segel bergen muss oder aus anderen Gründen keine Zeit hat, mit der Rettungsleitstelle per Sprechfunk zu kommunizieren. – Allein das Auslösen des Alarms braucht nur wenige Sekunden und die Position ist damit sicher auf dem Bildschirm im Blick der Retter. Außerdem können sie sich bereits einen Überblick über den Ort und Kräfte in der Nähe machen und diese aktivieren.

Sowie es die eigene Sicherheit erlaubt, ist aber der Sprechfunkkontakt mit „Bremen-Rescue“ auf Kanal 16 unverzichtbar. Nur so können die effektivsten Rettungsmittel bereitgestellt werden und auch andere Schiffe in der Nähe erfahren, was los ist.

In Seenot: Keine Angst vor teurem Fehlalarm

Allein auf See: Wer zu zweit Segeln geht, läuft schnell Gefahr, zum Einhandsegler zu werden (Archivbild: Hinnerk Weiler)

Allein auf See: Wer zu zweit Segeln geht, läuft schnell Gefahr, zum Einhandsegler zu werden (Archivbild: Hinnerk Weiler)

Im Ernstfall gilt: Keine Scheu vor einem verfrühten Notruf! Die meiste Zeit verlieren Crews beim Abschätzen einer Gefahrenlage. Dabei gilt: Wer für sich oder die Crew um Leib und Leben fürchtet, braucht sich kaum vor Konsequenzen durch einen Fehlalarm zu fürchten. – Natürlich muss das Drücken des Alarmknopfes am Funkgerät oder ein Mayday-Ruf, wenn möglich mit dem Skipper abgesprochen sein sofern dieser noch an Bord und ansprechbar ist.

Eine Person über Bord ist aber immer so eine Bedrohungslage. Selbst bei relativ moderaten Bedingungen ist die Bergung eines im Wasser treibenden Menschen selbst für professionelle Retter keine einfache Aufgabe. Für einen ungeübten Mitsegler ist sie schnell ein unlösbares Problem.

Einen alarmierten Rettungskreuzer wieder abzubestellen, ist stets besser, als der Versuch, die Bergung zuerst selbst zu versuchen und dadurch wertvolle Zeit zu verlieren.

Plötzlich Einhandsegler

Ein weiterer Aspekt wird vor allem bei segelnden Paaren oft verdrängt: Sehr schnell können auf See Situationen entstehen, in denen die zweite Person an Bord plötzlich zum Einhandsegler wird. Dazu braucht es gar nicht die stürmische See vom vergangenen Wochenende, die Anchovis auf der Pizza vom Vorabend können bereits vollkommen ausreichen.

Bereits kurz nach der Bergung des über Bord gegangenen Mannes erreichte der DGzRS-Rettungskreuzer „Theodor Storm“ den Unglücksort. Doch bei Windstärke acht und über zwei Meter hoher See war es den Rettern offenbar nicht möglich, jemanden zur Unterstützung an Bord der Yacht zu übergeben.

Für einen unerfahrenen Mitsegler, der zudem unter dem Schock der gerade erlebten Situation steht, besteht dann schnell ebenfalls eine bedrohliche Lage. Im konkreten Fall musste der Mitsegler die Yacht auf sich allein gestellt in den Schutz der Wattengebiete segeln, bevor ihm ein DGzRS-Retter zur Unterstützung an Bord zur Seite stand. Rudimentäre Revierkenntnisse und Erfahrung im Handhaben des Schiffs werden in so einem Augenblick zur Lebensversicherung für jeden Mitsegler. – Egal wie passiv er oder sie sonst an Bord ist.