Großer Andrang, Trotzdem kamen weniger Besucher als im Vorjahr / Foto: HMC/Hartmut Zielke

Großer Andrang, Trotzdem kamen weniger Besucher als im Vorjahr / Foto: HMC/Hartmut Zielke

Bunt, laut, interessant. Wer die vergangene Woche überwiegend in den Hallen B1 bis B4 der Hamburger Messe verbracht hat, wird leicht überrascht sein: Zwar gab es auch hier dünne Phasen, doch unterm Strich schien dort die Messe besser besucht, als in den letzten Jahren. Anders sah es in den Hallen B5 bis B7 aus. Dort waren eher verhaltene Töne zu hören und es schien absehbar zu sein, dass rund 4.000 Menschen weniger zur 57. Hanseboot an die Elbe kamen, als im Vorjahr. Die veränderten Öffnungszeiten konnten das Sinken der Besucherzahlen bremsen, aber nicht aufhalten.

Dabei ist der Wassersportmarkt generell sogar im Aufwind. Viele Betriebe, so scheint es aber, warten diesen Aufwind in der Hoffnung auf die fast vergessenen Rekordjahre eher ab. Das die in absehbarer Zeit wieder zu erzielen sind, darf aber mit ruhigem Gewissen ausgeschlossen werden.

Punktuell gut besucht

Zu sehr haben sich Messebesuche und vor allem Messebesucher in den letzten Jahren verändert. Die Hanseboot hat sich seit dem wesentlich professionalisiert. Schnäppchenjäger und Kugelschreiber-Sammler bleiben längst zuhause. Stattdessen treffen Fachfragen und konkrete Anliegen auf hoffentlich kompetente Ansprechpartner. Denn Fachinformationen, Neuheiten und Marktübersicht standen auch 2016 weit oben auf der Wunschliste bei den Besuchern. Für die Aussteller bedeutete das, mit einem immer besser vorbereiteten und vorgebildeten Publikum mithalten zu müssen. Einfach nur Produkte zeigen und Datenblätter verteilen, ist längst nicht mehr ausreichend. Wer heute noch versucht, seinen Messestand so zu betreiben, erntet bestenfalls ein: „Danke, dann kann ich auch im Netz schauen.“ Denn das Internet ist die große Konkurrenz zur Bootsmesse.

Know How: Fachvorträge rund ums Refit in der hanseboot Boatfit-Arena. Foto: Hinnerk Weiler

Know How: Viel Interesse gab es an den Fachvorträge rund ums Refit in der hanseboot Boatfit-Arena. (Foto: Hinnerk Weiler)

Die Refit-Branche hat das längst verstanden und nutzt Messen längst für einen gezielten Transfer von Know-how. Denn Gebrauchtboote sind in den letzten Jahren so günstig wie noch nie auf dem Markt zu finden. Das erlaubt zwar einen preiswerten Einstig in den Wassersport, oft aber ist an diesen Booten noch einiges zu tun. Viele Eigner nehmen das zum Anlass, gerade zu Beginn der Winterlagersaison in Workshops und bei Fachvorträgen direkt von den Experten lernen zu wollen.

Die neu geschaffene Boatfit-Arena auf der Hanseboot war genau aus diesem Grund gut besucht und wer von hier aus auf die Messe schaute, hatte den Eindruck einer durchweg gut besuchten  Hanseboot.

Das Konzept Boatfit, wie es mit sieben Bühnen und Vorträgen im Stundentakt in Bremen stattfand, bietet mehr Potential, als derzeit genutzt wird: Die Protagonisten für umfangreichere Workshops und mehr Vorträge gäbe es jedenfalls. Was fehlt, ist ihnen Raum und Bühnenplatz in Hamburg einzuräumen. Gelingt das der Messe im kommenden Jahr, kann der qualitative Know-how-Transfer im Bereich der Refit-Themen zu einem ganz besonderen Alleinstellungsmerkmal der Hanseboot wachsen. Die Boatfit würde als Messe für Bastler und Bootsbauer innerhalb der Wassersportmesse bestehen.

Freizeitspaß

Einsteiger über Fun Sport zu locken, bringt nur langfristig neue Wassersportler in die Branche. Foto: HMC/Michael Zapf

Einsteiger über Fun Sport zu locken, bringt nur langfristig neue Wassersportler in die Branche. Foto: HMC/Michael Zapf

Daneben ist ein Messebesuch aber auch längst zu einem Teil immer knapperer Freizeit geworden. Um als Publikumsmagnet zu wirken, muss ein Event wie die Hanseboot vor allem Spaß machen. Die Veranstalter aller Messen haben das erkannt und steuern schon länger in Richtung Funsport, Action und Erlebnisse. Auch die Hanseboot hat in ihrem Rahmenprogramm hierbei enorm zugelegt und beispielsweise das Programm für Kinder erheblich ausgeweitet.

So eine Ausweitung dient natürlich nicht allen Ausstellern gleichermaßen, wie man spätestens am Abend bei einem Bier an den Ständen erfährt: Der Versuch, neue Interessenten über diese Angebote in den Wassersport zu locken, bringt beispielsweise einem Anbieter von Bootsversicherungen im ersten Augenblick nichts. Darüber heute laut zu klagen legt die kurzen Perspektiven in weiten Teilen der Szene offen: Am langen Ende sind es aber eben genau diese Jugendlichen, die heute über das Surfen in der Halle später zum Segeln gelangen, statt sich für Golfen und Rennrad zu entscheiden.

Neue Erwartungen

Nach den zurückliegenden Krisenjahren weckt der leichte Aufschwung vielleicht auch zu große Erwartungen: Wie von selbst, so hat man den Eindruck, soll die Branche wieder so werden, wie sie 2005 zuletzt war.

Dass seitdem über zehn Jahre ins Land gingen, scheinen vor allem die größeren Yachtwerften übersehen zu haben. Deren Messestände haben sich in diesem Jahrzehnt ebensowenig verändert, wie in den Jahren davor. – Ein Hauch abweisender Eleganz ist nach wie vor die Devise und trifft aber heute auf eine grundlegend geänderte Einstellung bei Kunden: Die aus dem Internet längst in der Freizeit und Arbeitswelt eingetroffene „Du-Kultur“ hat dafür wenig Platz.

Foto: HMC/Hartmut Zielke

Foto: HMC/Hartmut Zielke

Wir wollen uns heute nicht mehr abgrenzen, wir wollen vernetzt sein und miteinander den Spaß am Boot maximieren. Bestes Beispiel dafür ist die Szene rund um kleine Boote. War der Kleinkreuzer früher das Symbol für einen großen Traum und zu kleinen Geldbeutel, ist er heute längst zur selbstbewussten Entscheidung für ein Spaßboot geworden.

Wer als Hersteller so eine Änderung verpasst und das Interesse am kleinen Schiff vor allem auf mangelnde finanzielle Mittel verortet, baut Boote zum Geld sparen. Dem realen Klientel der Szene hat er damit aber wenig zu bieten. Stände, an denen man diesen Kunden auf Augenhöhe mit einem besseren Angebot begegnete, waren hingegen gut besucht.

Kundenbindung gelang in den letzten Jahren daher vor allem in der Kleinkreuzer-Szene, deren Segelboote nach allen Branchenstatistiken kaum Absatz haben dürften. Dass diese Zahlen nur in der Summe gelten und kleine Schiffe nach wie vor durchaus einen Markt haben, lässt sich an Beispielen zeigen.

Mehr Eigenverantwortung in der Branche

Über den Erfolg einer Messe entscheiden also heute vor allem die Aussteller. Erwarten diese vom Veranstalter große Besucherströme aus dem Nichts zu generieren, ohne selbst Anreize zu schaffen, it Frust am Stand vorprogrammiert und die Besucherzahlen werden weiter sinken. Dort, wo es der Messe gelang, gemeinsam mit den Ausstellern für ein buntes und vielfältiges Programm zu sorgen, war die Hanseboot ein Erfolg für alle Seiten.