Ein Wolf im Schafspelz! – Ist die neue Hallberg Rassy 44 der SUV auf dem Wasser?

Mit dem Namen Hallberg-Rassy ist doch eigentlich schon fast alles gesagt. Fahrtenyacht, Langfahrttauglich – dafür ein wenig behebig vielleicht. Wer ein Schiff zum Leben an Bord sucht, geht sicher gern diesen Kompromiss ein und bekommt ein solides Schiff. Mit der HR 44 scheint die Werft neue Wege zu gehen.

Die HR 44 bietet zahlreiche Optionen für den Innenausbau

Breit und Wuchtig nimmt die Hallberg Rassy 44 Kurs zur Premiere in Düsseldorf. (Foto HR/Rick Tomlinson)

Vorweg: Hallberg Rassy bleibt sich mit Farben und Form weitgehend treu. Das gilt vor allem für das Äußere. Die HR 44 ist auf den ersten Blick ganz klar ein Hallberg Rassy. Dann aber fällt der Blick auf die Details und da scheint sich im traditionsbewussten Bootsbau auf der schwedischen Insel Orust gerade etwas zu regen. Das Boot gibt neue Impulse.

Hallbergs Neue – Es steckt viel Fahrtenyacht in der HR 44.

Auffällig ist aber auch, dass die HR 44 ungewöhnlich rund und breit erscheint. Die klaren Kanten, mit denen das größere Schwestermodell (48 MKII) daherkommt, sucht man auf der 44er vergebens. Breit wirkt sie vor allem im Heckbereich und ist dort tatsächlich mit 4,20 Meter dann auch gerade mal 30 Zentimeter schlanker, als das nächstgrößere Modell an seiner breitesten stelle. Ins Auge springt, das diese Breite vor allem durch die üppigen Laufdecks im Heckbereich optisch noch vergrößert wird. Trotz seiner geräumigen Dimensionen erscheint das Mittelcockpit zwischen ihnen geradezu klein.

  • Nur zwei der möglichen Varienten des Innenausbaus in der HR 44. Besonders interessant für Familien und größere Crews: Die Etagenbetten im Vorschiff. Alternativ können sie auch gegen Stauraum getauscht werden.

    Nur zwei der möglichen Varienten des Innenausbaus in der HR 44. Besonders interessant für Familien und größere Crews: Die Etagenbetten im Vorschiff. Alternativ können sie auch gegen Stauraum getauscht werden.

    Designer Germán Frers, Argentina

  • CE Kategorie A
  • Rumpf Länge 13.68 m / 44′ 11″
  • Gesamtlänge 14.45 m / 47′ 5″
  • Wasserlinie 12.88 m / 42′ 3″
  • Breite 4.20 m / 13′ 9″
  • Tiefgang 2.10 m / 6′ 11″
  • Masthöhe 21.6 m / 70′ 10“
  • Motor Volvo Penta D2-75 (75 PS, Hydraulikgetriebe mit Welle)
  • Diesel 365 l
  • Wasser 650 l

Die Worte „Breit im Heck“ verraten auch bereits: hinter dem dezenten Designwechsel steckt mehr als nur ein optischer Trick. Die Form der neuen HR macht einen konsequent Schritt weg von der klassischen Yacht mit verjüngtem Heck und größter Breite knapp hinter Mittschiffs. Zeichnet man die Linien der HR 44 ohne Rundsofa, Centercockpit und Badeplattform aufs Papier, kommen schnell Assoziationen zu Rennyachten á la Volvo Ocean Race auf. – Die HR 44 wird zu einer spannenden Fahrtenyacht mit Anleihen aus dem Hochleistungssport, ein spannender Spagat von Designer Germán Frers!

Die HR 44 macht auf dem Wasser, was auf der Straße längst üblich ist: Das Schiff ist der Porsche Cayenne des Segelns. Ein Rennwagen für Leute, die eigentlich einen Familien-Van suchen.

Der Blick unter Wasser unterstreicht die Anleihe aus dem Rennbootsektor: Das breite Heck macht eine Doppelruderanlage notwendig. Das mag ein Pluspunkt für die Performance bedeuten, bringt aber ein dickes Minus beim Fahrtensegeln mit sich. Denn die seitlichen Ruderblätter sind nicht mehr vom Kiel geschützt. Gerade in schmalen Riffpassagen oder Schärenfahrwassern – von denen es auch rund um die HR-Werft auf Orust einige gibt – kann das schnell zu einem Problem werden.

Die Hallberg-Rassy 44 ist ganz klar eine Fahrtenyacht. Die Anleihen aus dem Rennsport sind zwar deutlich, aber dennoch so dezent, dass der Charakter der HR nicht verloren geht. Das macht das Boot sympathisch.

Die Hallberg-Rassy 44 ist ganz klar eine Fahrtenyacht. Die Anleihen aus dem Rennsport sind zwar deutlich, aber dennoch so dezent, dass der Charakter der HR nicht verloren geht. Das macht das Boot sympathisch. (Foto: HR/Rick Tomlinson)

Auch an Deck finden sich Anzeichen für mehr Performance: Das fest integrierte Bugspriet beispielsweise ist als Anschlagpunkt für ein Code Zero, Gennaker oder beispielsweise einen Parasailor sicher nicht zufällig genau auf diesem Boot realisiert worden.

Die HR 44 unter Deck

Die von Hallberg Rassy vorgeschlagenen Kabinenlayouts eigenen sich gleichermaßen für exklusives Chartern und Langfahrt. Zur Auswahl stehen Modelle mit zwei oder einer Kabine im Vorschiff. Für Langfahrer mit gelegentlichen Chartergästen ist vor allem letzteres eine interessante Option. An die klassische V-Koje schließt dabei eine kleine Kabine an Steuerbord mit Etagenbett an. Wer seinen Gästen maximalen Komfort bieten möchte, wird sich als Crew dann vermutlich hier hin zurückziehen und Gästen die beiden anderen Kabinen anbieten.

Wer jedoch plant, nur mit kleiner Crew unterwegs zu sein, kann bequem auf die die Stockbetten verzichten und bekommt stattdessen üppigen Stauraum für seine Weltumsegelung.

Unter Deck ist es hell und gemütlich. Die verschiedenen Ausbauvariationen bieten für jeden Geschmack und Bedarf eine gute Lösung. (Foto: HR/Rick Tomlinson)

Unter Deck ist es hell und gemütlich. Die verschiedenen Ausbauvariationen bieten für jeden Geschmack und Bedarf eine gute Lösung. (Foto: HR/Rick Tomlinson)

Auch im Salon gibt es neben der Frage Sofa oder Sessel eine durchaus wichtige Entscheidung zu fällen: Pantry an steuerbord oder an backbord? Genauer gesagt: längs im Durchgang zum Achterschiff oder U-Förmig auf der anderen Seite. Langfahrer werden sich aus verschiedenen Gründen vermehrt für die zweite Variante entscheiden. Denn die klassische U-Pantry ist auf See für den oder die Smut ein Segen. Außerdem entsteht im Durchgang nach Achtern wertvoller Stauraum.

Apropos Achtern. Natürlich gibt es auch für die größte der Kabinen verschiedene Varianten im Angebot. Das klassische Doppelbett ist seitlich zu offen, so dass ein Nutzen auf See ohne Leesegel kaum sinnvoll ist. Auf See praktischer und für Menschen, die in tropisch schwülwarmen Nächten ohnehin lieber auf Abstand zum Partner gehen eine gute Lösung, ist die gemeinsame Achterkajüte mit getrennten Betten.

Ein erstes Fazit zu Hallbergs neuer 44er

Die HR 44 ist auf jeden Fall ein interessantes Schiff. Es steht außer Frage, dass das Boot auch unter Langfahrtseglern seine Freunde finden wird. Zu sehen ist sie erstmals auf der Düsseldorfer Messe boot (Halle 17 Stand A54). Wir werden uns das Boot dort noch einmal ganz genau mit Fokus auf Langfahrt ansehen.

Von | 2017-01-14T13:07:40+00:00 14. Januar 2017|Boot Düsseldorf, Fahrtenyachten|2 Kommentare

About the Author:

Seit über zehn Jahren schreibt Hinnerk als Wassersportjournalist über Segeln, Technik und Reisen auf dem Meer. Unter anderem ist er häufig in der „segeln“ zu lesen und macht mit dem Segelradio einen eigenen Podcast. 2013 hatte er die Idee mit SegelnBlogs ein Blognetzwerk und Online-Magazin mit Schwerpunkt im Fahrtensegeln zu gründen.

2 Kommentare

  1. […] Hinnerk hat sich im Vorfeld zur BOOT 2017 die neue Schwedin bereits angesehen. Hier kannst Du seinen Bericht lesen. […]

  2. Marina 25. Februar 2017 um 16:07 Uhr - Antworten

    Interessant geschrieben!

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