Gesprächsbereitschaft als Finte – Dobrindt (CSU) versetzt Traditionsschiffer

Die Bürokratie auf ihrem Siegeszug gegen Traditionsschiffe (Foto: Hinnerk Weiler)

Die Bürokratie auf ihrem Siegeszug gegen Traditionsschiffe (Foto: Hinnerk Weiler)

Dutzende Traditionsschiffer warteten am 4. April vor den Türen der Maritimen Konferenz in Hamburg auf Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. Dessen Neufassung der Traditionschiffsverordnung bedroht nach vorherrschender Meinung in der Gemeinsamen Kommission Historischer Wasserfahrzeuge (GSHW) die Zukunft von historisch wertvollen Schiffen in Deutschland.

In Hamburg zeigte sich Bundesverkehrsminister Dobridt (CSU) noch Gesprächsbereit... (Foto: BMVI)

In Hamburg zeigte sich Bundesverkehrsminister Dobrindt (CSU) noch Gesprächsbereit… (Foto: BMVI)

Umso größer war die Freude über den vermeintlichen Erfolg des Protestes: Noch vor Ort kündigte Dobrindt Gesprächsbereitschaft an und lud zu einem Treffen nach Berlin ein.

Enak Ferlemann kam, um zu informieren und stieß damit den angereisten Vertretern der Traditionsschifferszene in Berlin vor den Kopf. (Foto BMVI)

Enak Ferlemann kam, um zu informieren und stieß damit den angereisten Vertretern der Traditionsschifferszene
in Berlin vor den Kopf. (Foto BMVI)

Nun muss sich der CSU Minister dem Vorwurf stellen, mit diesem Angebot eine Finte zur Beruhigung kritischer Stimmen gelegt zu haben. Denn statt selbst Rede und Antwort zu stehen, schob er verschiedenen Medienberichten zufolge den parlamentarischen Staatssekretär Enak Ferlemann vor, und der kam auch nicht, um zu reden: An den Inhalten der Verordnung etwas zu ändern war offenbar nie beabsichtigt gewesen: „Worum es hier heute ging, war im Wesentlichen zu erläutern, wie wir diese Verordnung umsetzen, wie sie nachher in der Praxis wirkt“, erklärte Ferlemann im Norddeutschen Rundfunk.

Die Traditionsschifferszene ist entsetzt und fühlt sich von Dobrindt absichtlich getäuscht, der nach Auffassung der Traditionsschiffer ihre Kritik weder anhört, noch in seinem Entwurf berücksichtigt. Kernpunkt der Kritik ist, eine geplante rechtliche Gleichstellung von ehrenamtlich geführten Traditionsschiffsvereinen und Reedereien gewerblicher Ausflugsdampfer.

Kein Denkmalschutz auf dem Wasser

Viele der Betreibervereine haben sich jedoch zur Aufgabe gemacht, die Schiffe so originalgetreu wie möglich zu erhalten. Die von Dobrindt nun gegen den Willen der Betroffenen durchgesetzten Auflagen bedeuten neben einer finanzielle Schieflage für viele Vereine auch Umbauten an den historischen Schiffen. Ein Schritt, bei dem vielen Schiffsliebhabern zu sehr das Herz blutet. Da wundert es nur wenig, dass hinter vorgehaltener Hand längst in den Vereinen über Ausflaggen oder Verkauf der Boote ins Ausland als Alternative gesprochen wird. In Beiden Fällen dürften historische Segelschiffe in Deutschland zukünftig noch seltener werden.

Von | 2017-05-28T15:46:14+00:00 24. Mai 2017|Traditionsschifffahrt|2 Kommentare

About the Author:

Seit über zehn Jahren schreibt Hinnerk als Wassersportjournalist über Segeln, Technik und Reisen auf dem Meer. Unter anderem ist er häufig in der „segeln“ zu lesen und macht mit dem Segelradio einen eigenen Podcast. 2013 hatte er die Idee mit SegelnBlogs ein Blognetzwerk und Online-Magazin mit Schwerpunkt im Fahrtensegeln zu gründen.

2 Kommentare

  1. Malinski 24. Mai 2017 um 18:47 Uhr - Antworten

    [Entfernt]
    wie Drobindt haben nur die eigene Karrire im Sinn. Etwas für den Bürger zu machen ist ihm nicht wichtig . Und sein Kofferträger Ferlemann lobt in einer Tour die Fertigstellung der Autobahnen im Norden und nichts passiert .mit solchen Nieten kann das Volk nur verlieren.

    [Anm.: Wir freuen uns über sachliche und auch mal emotionale Kommentare. Ein Klima mit persönlichen Beleidigungen möchten wir hier aber nicht etablieren.]

  2. Dieter 19. Juni 2017 um 12:51 Uhr - Antworten

    Hoffentlich geht da nichts schief.

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