Wenn Hollywood Realität wird – Seenotretter kommen per Fallschirm

Fertig zum Absprung: Mit ausrüstung und Schlauchboot springen die Retter über dem Atlantik ab. (Foto: U.S. Air Force/Master Sgt. Mark Borosch)

Fertig zum Absprung: Mit Ausrüstung und Schlauchboot springen die Retter über dem Atlantik ab. (Foto: U.S. Air Force/Master Sgt. Mark Borosch)

Das Einsatzprotokoll zur Rettung von Vater und Sohn, nachdem ihre Yacht 800 Kilometer vor der US-Küste Feuer fängt, mutet ein bisschen wie aus einem Hollywood Film an. Sie zeigt aber auch, was heute in Sachen Seenotrettung möglich ist.

Wie die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) mitteilte, gerieten die Beiden in Seenot, nachdem vermutlich in ihrem Maschinenraum, ein Feuer ausgebrochen war. Blitzschnell wurde der Albtraum jedes Seglers Realität: Die Yacht stand mitten auf dem Atlantik in Flammen.

Der Letzte Kontakt – ein Telefongespräch per Satellitentelefon mit der Familie in Deutschland. Anschließend zeigt sich, wie gut die Internationale Rettungskette in solchen Fällen funktionieren kann:

Die Angehörigen wählen die 112, die Leitstelle der Feuerwehr gibt den Notfall umgehend an das Maritime Rescue Coordination Center der DGzRS in Bremen weiter und von dort geht die Meldung nach Florida. Schnell zeigt sich: Die Havaristen sind für die US-Küstenwache bereits zu weit draußen auf dem Atlantik.

Rettungsflugzeug der US-Airforce. (Foto: U.S. Air Force/Brandon Kalloo Sanes)

Rettungsflugzeug der US-Airforce. (Foto: U.S. Air Force/Brandon Kalloo Sanes)

Die US-Airforce als Seenotretter

“Die Rettung war eine Kombination aus Erfahrung und Teamwork”, erklärte Col. Kurt Matthews, Commander des 920th Rescue Wing:

Zwei Hubschrauber steigen auf und nehmen Kurs auf den Havaristen. Parallel dazu startet das Rettungsflugzeug der Spezialeinheit, die normalerweise dafür zuständig ist, verletzte Soldaten aus Kriegsgebieten zu evakuieren.

Der Frachter "Nord Nitingale" kommt den Havaristen zu Hilfe.(Foto: U.S. Air Force/Master Sgt. Mark Borosch)

Der Frachter „Nord Nitingale“ kommt den Havaristen zu Hilfe.(Foto: U.S. Air Force/Master Sgt. Mark Borosch)

Vater und Sohn sind zu dieser Zeit bereits in der Rettungsinsel, die Yacht ist verloren.

Ein Öltanker erreicht kurz vor den Luftrettern die Havaristen und stellt Sichtkontakt her. Die Bergung der Rettungsinsel von einem großen Frachtschiff ist aber mit einem hohem Risiko verbunden, denn der Öltanker muss dazu an die, auf den Atlantikwellen herumtanzende und manövrierunfähige, Insel dicht herangesteuert werden. Trotz der guten Wetterbedingungen ist das kein leichtes Unterfangen, bei dem immer das Risiko besteht, dass die Insel kentert oder sogar überfahren wird. Der Kapitän lässt daher lediglich ein eigenes Beiboot ausbringen, um damit die professionellen Retter aus der Luft zu unterstützen.

Obwohl die für solche Einsätze ausgebildet sind, ist so eine Rettungsmission auch für die Soldaten kein alltäglicher Einsatz, wie Capt. Dan Morgese, Pilot des Rettungsflugzeugs in der Pressemeldung der US-Luftwaffe später erklärt:

“Man macht sich immer Gedanken, wenn man jemanden mitten auf dem Atlantik aussetzt. Aber wir hatten ein Rettungsboot im Wasser und der Frachter war nur noch zwei Meilen entfernt.”

Fünf Fallschirmspringer sprangen ihrem Schlauchboot ins Wasser hinterher, bevor das Flugzeug wieder Kurs auf die Küste nimmt.

Im Wasser wurden die beiden Havaristen in das vom Öltanker ausgebrachte Rettungsboot übernommen und sicher zu dem Frachtschiff gebracht, auf dem eine Erstversorgung der beim Brand verletzten Segler stattfand.

Fliegende Tankstelle: Die Hubschrauber mussten auf dem Weg in der Luft auftanken. (Foto: U.S. Air Force/Master Sgt. Mark Borosch)

Fliegende Tankstelle: Die Hubschrauber mussten auf dem Weg in der Luft auftanken. (Foto: U.S. Air Force/Master Sgt. Mark Borosch)

Da die ebenfalls entsendeten Hubschrauber jedoch nur rund 500 Meilen Reichweite haben, diente das Rettungsflugzeug ihnen auf seinem Rückweg noch als fliegende Tankstelle, bevor beide Helikopter anschließend die Havaristen und das Rettungsteam aufnehmen und sicher nach Florida bringen.

“Es ist wirklich befriedigend, wenn man lange etwas übt, und es dann so gut funktioniert”, freute sich Pilot Morgese nach dem Einsatz, betonte aber auch:

“Hervorragende Kommunikation und Planung zwischen allen Beteiligten, machte diese Mission zum Erfolg.”

Tatsächlich zeigt sich daran auch, wie gut vernetzt die zivile Seenotrettung heute ist: Trotz des Umwegs über die Familie, Feuerwehrleitstelle und das Bremer MRCC in Deutschland erreichte die Seenotmeldung die zuständigen Kräfte in den USA vor dem Notsignal der EPIRB an Bord der Rettungsinsel. Dabei zeigte sich aber auch, dass in den eingespielten Teams selbst an vermeintliche Kleinigkeiten gedacht wird: Da es sich um eine deutsche Crew handelte, wurde dem Rettungsteam kurzerhand ein neues Mitglied zugeteilt, das fließend deutsch sprach.

Die schnelle Rettung zeigt auch, welche Mechanismen für eine Rettung aus Seenot heute in Gang gesetzt werden können, um Menschenleben selbst auf hoher See zu retten. Dazu müssen nur, wie in diesem Fall, Militärs und zivile Rettungskräfte Hand in Hand arbeiten.

Quellen: DGzRS (Die Seenotretter) & US-Airforce

Von | 2017-07-11T22:33:31+00:00 11. Juli 2017|Sicherheit auf See|0 Kommentare

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Seit über zehn Jahren schreibt Hinnerk als Wassersportjournalist über Segeln, Technik und Reisen auf dem Meer. Unter anderem ist er häufig in der „segeln“ zu lesen und macht mit dem Segelradio einen eigenen Podcast. 2013 hatte er die Idee mit SegelnBlogs ein Blognetzwerk und Online-Magazin mit Schwerpunkt im Fahrtensegeln zu gründen.

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