Foto: HMC/Hartmut Zielke

Ein letztes Mal lädt die Hanseboot an die Elbe. Foto: HMC/Hartmut Zielke

Weniger Besucher, weniger Attraktivität. Der Kampf gegen die Bedeutungslosigkeit ist mit den bestehendenn Messekonzepten nicht zu gewinnen. (Foto: H.Weiler)

Weniger Besucher, weniger Attraktivität. Der Kampf gegen die Bedeutungslosigkeit ist mit den bestehendenn Messekonzepten nicht zu gewinnen. (Foto: H.Weiler)


Wenn die Hamburger Hanseboot in diesem Jahr zum 58. und letzten Mal ihre Türen öffnet, ist es ein bisschen wie damals, als die Lieblingsdisco geschlossen wurde. Abfeiern auf der Tanzfläche, Freunde unter wummernden Bässen treffen, zaghaftes Händchenhalten am Tresen und knutschen auf dem Parkplatz. – Auf einmal erscheint alles seinen Platz verloren zu haben.

Zeit, für ein kleines Resümee unter dieser Metapher: In Hamburg hielt ich vor langer Zeit zaghaft Händchen mit dem Segelvirus. Wie bei der ersten Disco waren es Freunde, die mich auf die Messe mitnahmen. Zufällig traf ich dort Fahrtenyachten und schlenderte durch die Hallen, schaute hier und da mit verstohlenen Blicken schicken Linien nach und träumte von Booten mit denen ich einmal Ausflüge auf die weite See wagen würde. – Aus zaghaften ersten Kontakten wurde … über die Details vom ersten Mal Parkplatz bis heute sprechen wir an dieser Stelle nicht weiter.

Jetzt ist Schluss

Die Messe wird es im kommenden Jahr zumindest nicht mehr in der bekannten Form geben und ob die Welt die als Ersatz angekündigte neue In-Water Show für Boote wirklich braucht, bleibt abzuwarten.

Über die Gründe für das Ende der Hanseboot lässt sich in der ganzen Breite spekulieren. Die Schuldigen sind dabei fast immer das Management, die Stadt, der Ort, die Besucher. – Viel zu selten, weil schwer zu greifen, aber ist es die Zeit.

Bereits 1961 eröffnete in Hamburg die 1. Bundes-Fachausstellung – Das Sport- und Gebrauchsboot. Damals beheimatet in der Parkanlage Planten und Blomen. Ein Novum mitten im Wirtschaftsaufschwung nach dem Krieg und natürlich begleitete die Messe auch den GFK-Boom der 70er Jahre. Jeder wollte ein Schiffchen und zumindest etwas Seemann wie Hans Albers sein. – Nehmen wir an, dass sich daran bis heute nicht viel geändert hat. Die Hanseboot ist trotzdem aus der Mode und weitere Messen werden ihr folgen.

Erst seit 1985 trägt die Hamburger Bootsausstellung ihren heutigen Namen Hanseboot. Damals gab es mit der boot-Düsseldorf bereits eine ernstzunehmende Konkurrenz um die Gunst der Besucher. Düsseldorf lag zwar mitten im Land, erreichte dafür aber beachtliche Besucherzahlen allein aus dem Ruhrpott und den angrenzenden Niederlanden.

Hamburg hingegen hatte Tradition und die maritime Nähe zur Nord- und Ostsee. Neudeutsch würde man sagen: Hamburg hatte die credibility.

Bootsmessen in Deutschland nach Branchenrelevanz

Bootsmessen in Deutschland nach derzeitiger Branchenrelevanz. Wenig gute Aussichten haben die ganz kleine Messen. Selbst die geografische Lage der Boat & Fun in Berlin wird da wenig nützen: Ein Flug von Berlin nach Düsseldorf dauert eine knappe Stunde und kostet unter 100 Euro.

Damit kommen wir zurück zur Ursache „Zeit“. Distanzen spielten in den 80ern, 90ern und auch noch in der Zeit nach 2000 eine große Rolle. Wer in Norddeutschland lebte, hier sein Boot liegen hatte, oder einfach nur vom maritimen Flair träumte, fuhr nicht – man verzeihe mir – zu den Kohlewerken nach Düsseldorf. Selbst dann nicht, wenn die Messe am Rhein in der Branche an Bedeutung gewonnen und Hamburg in der Größe längst überholt hatte.

Ein Flug von Hamburg nach Düsseldorf war nur für wenige erschwinglich und ein Messebesuch mit der Bahn brauchte mindestens drei ganze Tage. Heute aber fliegen wir mit Billigfliegern morgens um sechs quer über das Land oder rasen per ICE in weniger als vier Stunden an die Rheinmetropole und sind rechtzeitig wieder zuhause, um am nächsten Morgen ausgeschlafen zur Arbeit zu gehen.

Die Republik ist winzig geworden

Die Mobilität der Besucher bringt die am stärksten unterschätzte Beschleunigung für sterbende Messen und die Messelandschaft Deutschland kann dem nur auf gleichermaßen fatalen Wegen begegnen:

Weder Spezialisierung, noch breiteres Angebot versprechen eine Rettung

Bleiben Wassersportmessen thematisch fixiert, folgt zwangsläufig eine weitere Ausdünnung. Denn die wirklich interessierten Fachbesucher jetten schon heute kurzerhand an den Rhein, wo sie alles finden.

Das stellt die kleinen Messen zwischen Friedrichshafen am Bodensee und Neustadt in Holstein vor eine Wahl: Spezialisieren sie sich auf engere Themenbereiche, locken sie damit weniger, aber dafür für die Aussteller wertvolles Publikum an. So eine Messe war beispielsweise die Bremer Boatfit, die sogar so speziell war, dass auch sie über die Zeit nicht tragfähig war.

Die meisten Bootsmessen versuchen es mit dem Gegenteil: Ausbau in Richtung Spaß-Event, um die Besucherzahlen anzuheben. Die Folge: Das Fachpublikum nimmt ab, der Sonntagsausflügler zu. Damit steht die Messe zwar mit guten Zahlen da, aber die Attraktivität für Fachaussteller sinkt. Wandern die ab, beschleunigt sich die Spirale. Der düstere Ausblick, der als Trend bereits bei vielen kleinen Messen zu beobachten ist: Bootsmessen werden mehr und mehr zu Kirmes-Events für das breite Publikum.

Bleibt nur zu hoffen, dass sie damit zumindest Menschen erreichen, die sonst nichts mit Wassersport zu tun haben und sie auf die See, Segeln und Seefahrt aufmerksam machen. So, wie es mir in den 90er Jahren erging. Das Meer und das Segeln sind seitdem zu einem festen Bestandteil eines Lebens geworden, das ohne die Hanseboot vermutlich eine ganz andere Richtung genommen hätte. Dafür allein bin ich der Hanseboot auch nach ihrem Ende dankbar.