Das Team stand Binnen einer Woche fest

„Die Alster wird zu klein“
Die Meldungen zum Helga-Cup übertreffen alle Erwartungen

Im kommenden Sommer dürften auf der Alster deutlich mehr Frauencrerws als sonst ihre Runden drehen. Anfang juni treten voraussichtlich mehr als 65 Damencrews zum Helga Cup an. (Foto: A.Kilch)

Im kommenden Sommer dürften auf der Alster deutlich mehr Frauencrerws als sonst ihre Runden drehen. Anfang juni treten voraussichtlich mehr als 65 Damencrews zum Helga Cup an. (Foto: A.Kilch)

Schon lange vor dem Startschuss erreicht der Helga-Cup als erste Deutsche Kielbootmeisterschaft für Frauen Traummaße. Ursprünglich hatte Initiator und Organisator Sven Jürgensen, der die Regatta in Zusammenarbeit mit dem Norddeutschen Regatta Verein (NRV) und dem Deutschen Segler-Verband (DSV) auf die Beine stellt, noch im September nur 21 Teams im Sinn. Doch Regattasegeln liegt stärker im Trend, als die Veranstalter sich dachten:

„Aus 21 Meldungen wurden 45, dann 52 und nun 63. Jetzt müssen wir Schluss machen. Wir haben gar nicht so viele Boote und die Alster wird zu klein,“ verkündete Organisator Sven Jürgensen noch Anfang November in auf der Hamburger Messe Hanseboot. Einen Monat später ist das Feld noch einmal gewachsen.

Der Helga-Cup: nicht nur eine Veranstaltung für die Top-Seglerinnen der Szene

„Wir haben nie mit einer solchen Resonanz gerechnet. Aber dann machen wir später im Rennen lieber weniger netto-Segelzeit und holen dafür alle Mädels ran!“, erklärte Sven Jürgensen auf der Hanseboot. Dabei sind nicht mehr nur Top-Seglerinnen, wie die Damen des „TUTIMA-Sailing Teams“ oder die „HETI Classy Girls“, auch etliche Einsteigerteams werden im Rennen mitmischen.

So ein Team ist auch das „Oceans’s Eleven“ Cup Team um Annette Kilch, Geschäftsführerin der namensgebenden Segelschule, die gemeinsam mit Trainer Andreas Ehlers ein eigenes Team ins Rennen schickt. Schon während der Hanseboot Ende Oktober trafen sich die Beteiligten erstmals am Stand des Cup-Sponsors Seascape.

Ocean’s Eleven unterstützt die Veranstaltung aber nicht nur durch die Teilnahme am Cup: „Wir wollen das Frauen-Segeln fördern, daher sponsern wir auch.“, so Annette Kilch, die damit auch gleich das Hauptanliegen des Events, mehr Frauen auf die Regattabahnen und generell zum Segeln zu bringen, zusammenfast.

„Die Idee, alle Teams bei einer Regatta mit Bundeliga-Niveau starten zu lassen, hat beim NRV offene Ohren gefunden und ist bei den Seglerinnen voll eingeschlagen. – Das Team stand binnen einer Woche fest.“ In der ambitionierten Mädels-Gruppe finden sich Boots-Eignerinnen, regattaerfahrene Seglerinnen und einfach nur segelverrückte Breitensportlerinnen.

Gefunden haben sie sich über eine Frauen-Segelgruppe auf Facebook. Auf der Hanseboot trafen sie dann zum ersten Mal im echten Leben aufeinander. Anmerken ließen sie sich das allerdings nicht. Viel mehr wirkte es, als kennen sich alle bereits seit langer Zeit, während sie den launigen Einweisung ins Reglement von Sven Jürgensen lauschten, der es zudem gut verstand die Spannung und Neugierde in eine lockere Atmosphäre zu verwandeln.

Die Elphi mit der Elphi... Für die meisten Teilnehmercrews fangen schon jetzt die ersten Trainings an. (Foto A.Kilch)

Die Elphi mit der Elphi… Für die meisten Teilnehmercrews fangen schon jetzt die ersten Trainings an. (Foto A.Kilch)

„Die Idee,  alle Teams bei einer Regatta mit Bundeliga-Niveau starten zu lassen, hat beim NRV offene Ohren gefunden und bei den Seglerinnen voll eingeschlagen – das Team stand binnen einer Woche fest.“

Annette Kilch, Ocean's Eleven GmbH
Will die Alster rocken - das Ocean's Eleven Team (von l. nach r.) Viktoria Leu für den Sponsor Oleu, Christina Schober, Meike Burmester, Carolin Mayer, Teamchefin Annette Kilch, Sandra Böschen, Kim Reise, Julia Salomon. Stehend: Trainer Andreas Ehlers

Will die Alster rocken – das Ocean’s Eleven Team (von l. nach r.)
Viktoria Leu für den Sponsor Oleu, Christina Schober, Meike Burmester, Carolin Mayer, Teamchefin Annette Kilch, Sandra Böschen, Kim Reise, Julia Salomon. Stehend: Trainer Andreas Ehlers


Das Team von „Ocean’s Eleven“

Die sechs Team-Damen, von denen vier die Start-Crew bilden und zwei als Backup trainieren, gehen ihre Aufgabe mit wild entschlossenem Augenzwinkern an. Wer am Ende welchen Job an Bord machen wird? – „Mal sehen, das lassen wir Andi im Laufe des Trainings entscheiden“, frotzelt eine.
Trotz der Regattaambitionen steht der Spaß im Vordergrund und die Jobbeschreibungen Steuerfrau, Vorschoterin, Trimmerin und Taktikerin zur Auswahl.

„Das wird eine super Erfahrung!“, meint Meike Burmester. Die erfahrene Ostseeseglerin steigt für die Trainings und das Rennen von ihrer Bavaria auf die Seascape 24 um.

Ihre Team-Kollegin Julia Salomon segelt seit 2014 in Vereinsbooten auf der Elbe, es ist ihre erste „richtige“ Regatta. Allerdings hat Sie auch schon eine POGO 30 unter den Seestiefeln gehabt, die dürfte ähnlich schnittig losmarschieren wie die kleinere Seascape-Regatta-Rakete.

Die Dritte im Bunde, Carolin Mayer, besegelt die Ostsee seit zehn Jahren in „bunten Crews“. Dieser Sortierung bleibt sie mit dem Ocean’s Eleven-Team treu. Zum Segeln kam sie während eines Törns, bei dem der Skipper unterwegs ausfiel. „Danach wollte ich trotzdem weitermachen.“ Die Frau kann also so leicht nichts aus der Ruhe bringen. – Beste Regatta-Voraussetzungen.

Die Vollblut-Regattaseglerin des Teams ist Christina Schober. Sie wird teamintern schon heiß als Taktikerin gehandelt und tummelt sich in der Hobie Cat-Szene, ist aber nicht nur auf Katamaranen, sondern auch auf Skiffs sportlich unterwegs. Im Kielwasser hat sie u.a. einschlägige Kieler-Woche und EM-Erfahrung.

„Mein erster Törn vor 18 Jahren war gleich eine Atlantiküberquerung, dann bin ich auf der Ostsee gesegelt und jetzt geht es auf die Alster“. Mit dieser Form des „Downsizing“ trägt die Nummer fünf Sandra Böschen gut gelaunt zum „Upsizing“ des Frauen-Segelsports bei.

Last but not least ist auch Kim Reise schon mit vielen Wassern gewaschen. Sie segelt „schon immer“ und blickt auf umfangreiche Regatta-Erfahrung auf Dickschiffen, etwa im Rahmen des Ostsee-Cup zurück.

Teamcoach Andreas Ehlers ist so viel Frauenpower und Humor allemal gewachsen. Schon Ende der 80er Jahre hat er das Team „Maid of 88“ unterstützt, das zum 1-Tonner „RODEO“ führte, dem ersten deutschen Frauenteam im Admirals Cup. „War sehr wild, die ganze Szene“, meint er schmunzelnd, und mit Blick auf den Helga-Cup: „Frauensegeln war mir eben immer schon ein Anliegen“. Aber hätte Annette bei ihm nicht offene Türen eingerannt, „hätte Sie sowieso ihren Kopf durchgesetzt“.

Die Trainingsplanung: „Ein Sack Flöhe hüten ist einfacher!“

Sensationell wäre es natürlich, wenn die Mädels nicht nur ihre klugen Köpfe durchsetzen, sondern auch eine der vorderen Platzierungen erreichen.

Dass sie es ernst meinen, haben die Mädels am letzten Novemberwochenende auf der Alter bewiesen: Bei den Trainings schien es heiß herzugehen, trotz der kalten Temperaturen.

„4-6Bft bei 2-3 Grad haben den Beweis erbracht: die J70 kentert nicht, sondern macht nur nass, wenn der Baum durchs Wasser zieht. Und nix hält die Mädels auf!
Mädchen, friert leiser!!!“ kommentiert Trainer Andreas Ehlers.

Die Organisation der Trainingsläufe auf der Alster und in Heiligenhafen mit den gestellten Seascape 24 und J70 kommentierte Sven Jürgensens Kollegin Claudia Langehahn bereits beime rsten Treffen in Hamburg lachend: „Einen Sack Flöhe zu hüten ist einfacher, als das zu koordinieren“ Bei ihr läuft die Terminplanung zusammen. Die größte Herausforderung überhaupt sei zunächst, eine ausreichende Anzahl Schiffe und Ausrüstung bereitzustellen. „Wir könnten an sich bis Juni alle nur noch Helga sein“, fasst Sven die Situation zusammen.

Dass die Veranstalter und Sponsoren den Willen und vor allem den Humor haben, das Projekt zu unterstützen, haben sie bereits jetzt bewiesen. Wenn der Helga-Cup weiter von der Begeisterungsfähigkeit, dem Teamgeist und dem Improvisationstalent getragen wird, stehen die Zeichen günstig für ein gutes Gelingen in 2018 – und damit auch für weitere Regattaevents bei denen Seglerinnen die Hauptrolle spielen.

Helga Cup

Termin:
01.06.2018 – 03.06.2018

Veranstalter:
Norddeutscher Regattaverein r.V.
Schöne Aussicht 35
22085 Hamburg

Ort:
Hamburger Außenalster


Austragungsart:
Gesegelt wird auf Einheitsbooten (jeweils identisch ausgerüstete Seascape 24 und J70) in 4er-Crews.
Die Austragungsart entspricht dem Fleet-Race-Format der deutschen Segel-Bundesliga.
Dabei wird in mehreren „Flights“ (Durchläufen) gesegelt. Jeder Flight umfasst mehrere kurze Rennen von 10-15 Minuten mit 6-9 Teams, so daß innerhalb eines Flights jede Manschaft einmal an den Start gehen wird.

Aufgrund immer wieder neuer Parungen treffen im Verlauf aller Flights alle Mannschaften gleich oft aufeinander.
Dabei bleiben die Regattaboote während des Wettkampfes auf dem Wasser und die Regattamannschaften wechseln zwischen den Flights auf die Boote.

In der Wertung werden bei jedem Rennen der Plazierung entsprechend Punkte vergeben. Sieger wird das nach Punkten stärkste Team.

In Planung sind neben die klassischen Rennen auch Sonderwettkämpfe, wie zum Beispiel Geschicklichkeitaufgaben. Prämiert werden soll außerdem das Team mit der besten Medienarbeit.

[Zum Helga Cup auf Facebook]
Von | 2017-12-08T20:08:19+00:00 8. Dezember 2017|Helga-Cup|0 Kommentare

About the Author:

Svenja erkundet von Flensburg aus die Ostsee. Mal allein, aber oft auch mit Mann und Maus, – bzw. Kindern. Bei SegelnBlogs schreibt sie vor allem über das Familiensegeln.

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