Berliner Landgericht kippt Facebooks Klarnamenpflicht

Ein Facebook-Konto mit dem Namen der Segelyacht ist für viele segelnde Blogger verlockend. Dennoch verstoßen „SY Morgentau“ oder „Katamaran Felix“ gegen die sogenannte Klarnamenpflicht auf Facebook. Wer bisher mit solchen Namen unterwegs war, riskierte bisher, dass der Account irgendwann kurzerhand gesperrt oder sogar gelöscht wurde. – In der Regel passierte das immer dann, wenn die Bemühungen um Aufmerksamkeit beim Leser gerade anfingen, Früchte zu tragen und das Blog eine gewisse Reichweite erziehlte.

Das könnte sich aber nach einem Urteil des Landgerichts Berlin vom 16. Januar bald ändern, denn Facebooks Pflicht zum Klarnamen könnte fallen, wenn das Urteil rechtskräftig wird, wie das Medienmagazin Meedia berichtet.

Ein echter Name lohnt sich für Blogger!

Der eigene Name im Netz. Anonymität ist für Blogger auch nach einem Ende von Facebooks Klarnamenpflicht sowieso nicht legal.

Der eigene Name im Netz. Anonymität ist für Blogger auch nach einem Ende von Facebooks Klarnamenpflicht sowieso nicht legal.

Sicher gibt es viele Gründe, den eigenen Namen in sozialen Netzen nicht öffentlich zu verwenden. Sei es einfach, dass nicht alle Ex-Kollegen oder Konkurrenten des nebenbei zuhause gut laufenden Webshops wissen sollen vor welchem Pazifikatoll man gerade badet.

Klarnamen, egal ob als Pflicht oder freiwillig, haben aber gerade für Blogger auch viele Vorteile und sollten bei der Kommunikation mit den Lesern genutzt werden. Die meisten Menschen sprechen auch im Internet lieber mit Martin, Sabine, oder Felix statt mit „DH3212“ oder „Hoppelboot“. Insbesondere, wenn mit dem Blog mehr als nur Urlaubs- und Buchtenbummelfotos verbunden ist, spielt bei Seriösität und Glaubwürdigkeit der Autor hinter den Texten eine große Rolle. Ein Pseudonym unter dem Geschriebenen wird nicht selten so verstanden, dass man in der physischen Welt mit seinen virtuellen Aussagen lieber nicht konfrontiert werden möchte. – In vielen Themenbereichen gibt es dafür gute und schützenswerte Gründe.

Solange man aber nicht als involvierter Whistleblower beispielsweise über Schlamperei im Werftbau schreibt*), drohen im Yachtsport kaum Repressalien größerer Tragweite und der eigene Name stützt dann die eigene Position.

Der echte Name dient auch häufiger als man denkt, dem Finden von Blogs. Nach einem Gespräch bleibt doch öfter der Name des Gegenübers im Gedächtnis, als eine Webseite oder ein Bootsname. Klarnamen sind damit auch ein Weg, neue Leser zu gewinnen, wie ein einfaches Beispiel zeigt:

In den zwei Wochen nach der Düsseldorfer Messe boot lassen sich viele neue Besucher auf SegelnBlogs einer Suche nach „Hinnerk Weiler“ zuordnen.

Dein Name sollte eh bereits öffentlich sein!

Vor allem aber entbindet das oben beschriebene Urteil natürlich auch nicht von den gesetzlich geregelten Vorgaben für ein rechtsgültiges Impressum. Darin ist der echte Name und eine ladefähige Anschrift des verantwortlichen Autors einer Webseite klar gefordert. Mit der Privatsphäre ist es also eh nicht sonderlich weit her. Streng genommen wird die Abschaffung der Klarnamenpflicht sogar für alle publizistisch Tätigen (das sind auch die meisten Hobby-Blogger) daher gar nicht so einfach möglich sein.

 

*) wir haben übrigens einen anonymen Briefkasten für sachdienliche Hinweise 😉

Von | 2018-02-12T22:38:51+00:00 12. Februar 2018|Besser Bloggen|0 Kommentare

About the Author:

Seit über zehn Jahren schreibt Hinnerk als Wassersportjournalist über Segeln, Technik und Reisen auf dem Meer. Unter anderem ist er häufig in der "segeln" zu lesen und macht mit dem Segelradio einen eigenen Podcast. 2013 hatte er die Idee mit SegelnBlogs ein Blognetzwerk und Online-Magazin mit Schwerpunkt im Fahrtensegeln zu gründen.

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