Mit Palmenwedeln haben drei Schiffbrüchige im Pazifik das Wort „Help“ auf dem Strand ausgelegt. Nur drei Tage später entdeckte die Besatzung eines amerikanischen Militärflugzeugs die Botschaft und veranlasste die Rettung per Schiff.

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Video-Link: https://twitter.com/USCGHawaiiPac/status/718703857837019137

Seenot wünscht sich niemand und doch kann sie jeden, der auf einem Schiff unterwegs unvermittelt einholen. In unseren Breiten rechnen wir damit selten länger als einige Stunden ausharren zu müssen, bevor Hilfe kommt. In wenigen Gebieten der Welt ist die Seenotrettung aber so gut ausgebaut, wie in Nordeuropa. Trotzdem lohnt es sich, einige Gedanken für die Vorsorge für einen Notfall auf See aufzuwenden. Das gilt nicht nur für Pazifiksegler, sondern auch für die Kadettrinne oder Borkum-Riff.

Eine Notfalltasche muss immer Griffbereit sein

Wenn Schiffe beispielsweise nach einer Kollision untergehen, geht das oft überraschend schnell. Selten stehen mehr als zehn Minuten zur Verfügung, in denen man unter Deck im steigenden Wasser das Nötigste für die Rettungsinsel an Bord zusammenzusuchen muss. Das ist meist unmöglich. Gerade einmal zwei Minuten dauerte der Untergang der One Australia vor laufender Kamera im März 1995.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=8Yau9A7XDHs

Auf vielen Langfahrtyachten gibt es darum neben der versiegelten Rettungsinsel stets eine Notfalltasche in der Nähe des Niedergangs oder einer Backskiste. Darin befindet sich alles, was den Aufenthalt in der Rettungsinsel angenehmer gestaltet und von der Crew gern mitgenommen werden möchte, wenn sie das Schiff unerwartet verlassen muss.

Seenot Rettungsinsel (Foto: H.Weiler)

Geht leider schneller als einem Lieb ist. Eine Notfalltasche mit dem Nötigsten ist dann Gold wert. (Foto: H.Weiler)

Die Ausstattung fängt an bei handfester Seenotausrüstung: Ein Personal Locator Beacon, Rauchtopf und Blitzlichter liegen auf der Hand. Je nach Fahrtgebiet kann auch ein kleiner handbetriebener Watermaker von unschätzbarem Wert sein.

Daneben sollte man aber auch an das persönliche Wohlbefinden denken: Verbandsmaterial und eine Tube Sunblocker können sich schnell als sehr weise Notfall-Ausrüstung darstellen. Nicht nur für den Fall, dass man es, wie jetzt gerade im Pazifik, gerade noch auf eine einsame Insel schafft, sind auch ein Bündel Kabelbinder, zwei Feuerzeuge und eine Rolle Klebeband (Generation McGyver lässt grüßen…), eine Taschenlampe extrem hilfreich dabei, es sich etwas einzurichten.

Ein handlicher Wassermacher für Notfälle: Der Katadyn Survivor 06

Ein handlicher Wassermacher für Notfälle: Der Katadyn Survivor 06 (Foto: H.Weiler)

Beim Zusammenstellen dieser Tasche, ideal ist ein wasserdichter Packsack, ist aber auch hilfreich, etwas um die Ecke zu denken: Ein Handfunkgerät (mit separaten Batterien) erleichtert die Kommunikation zwischen Rettungsinsel und Öltanker unter Umständen erheblich. Ein kleines Hand-GPS kann den entscheidenden Hinweis geben, auf welchen verlassenen Stein in den schwedischen Schären man denn gerade an Land geklettert ist.

Der Notfallsack auf Paulinchen beinhaltet zudem noch einen USB-Stick mit Scans der wichtigsten Personal-, Reise- und Schiffs-Dokumente sowie in Kunststoff laminierte Kopie meines Reisepasses. Zu guter Letzt, ebenfalls separat eingeschweißt: ein 300 Seiten starkes Buch, einige Stifte und ein leeres Notizbuch.

Bei allem, was man in diesem wasserdichten Sack unterbringt, gilt es aber immer eines im Auge zu behalten: Das alles nützt nichts, wenn es untergegangen ist. Beim Packen also immer darauf achten, dass sich noch genügend Luft darin befindet. Auch ein Schwimmtest schadet nicht.

Seenotvorsorge auf auf 36 Seiten gibt es als PDF-Download von der Homepage der DRzRS: die Broschüre Sicher auf See beinhaltet Tipps insbesondere für europäische Gewässer.

Coverbild: US Pacific Fleet / USCG