Winsch dir was – Lewmar Winsch neu fetten

(Überarbeitet: 20.12.2017)

Hand aufs Herz: wer reinigt seine Winschen jährlich? Das ist, laut Herstellerangaben, das übliche Wartungsintervall für die Getriebe in allen Winschen. Auf den meisten Schiffen sieht die Realität anders aus, das Dichtholen der Genua wird immer schwerer und irgendwann quietscht und knirscht es bei jeder Drehung der Kurbel.

Dann ist es eigentlich schon zu spät, aber jetzt werden die Winschen doch gesäubert und neu gefettet. Die große Angst: Tausend Federn und Distanzscheiben springen aus der Winsch sobald man mit dem Schraubenzieher winkt. Da schadet es nicht, einmal zu sehen, wie so eine Winsch eigentlich von innen aussieht. Mit etwas Vorbereitung und wenig Werkzeug ist die schnelle Wartung nämlich gar nicht so schwer . Diese Foto Dokumentation zeigt Schritt für Schritt wie es geht. Zeitbedarf: etwa eine Stunde, mit etwas Routine auch nur 30 Minuten.

Wir reinigen eine ältere, selbstholende Lewmar 2-Gang Winsch.

winschenwartung-vorbereitenDas wird benötigt: Kreuzschlitzschraubendreher, fusselfreier Lappen, Küchenrolle. Hilfreich ist auch eine Zahnbürste. Zum eigentlichen Reinigen eignet sich KFZ-Bremsenreiniger oder Benzin. Zur Not auch etwas Petroleum. Das allerdings hinterlässt gelegentlich einen leichten Fettfilm, der dann beim abschließenden Schmieren probleme mit der Haftung des Winschenfettes bedeuten kann. Damit alles hinterher funktioniert benötigen wir noch etwas Winschenfett, das ist ein mineralölfreies synthetisches Schmierfett, das auch die hohen Temperaturen aushält, die in den oft dunklen Winschen in praller Sonne entstehen.

Demontage

 Tipp: Alle Teile in der Reihenfolge ablegen, in der sie demontiert wurden. Dann ist das zusammensetzen hinterher umso einfacher.

Tipp: Alle Teile in der Reihenfolge ablegen, in der sie demontiert wurden. Dann ist das zusammensetzen hinterher umso einfacher.

Winschen werden meist von oben nach unten demontiert. Bei einigen Modellen wird die Trommel nicht durch Schrauben, sondern durch einen Sicherungsring gehalten. Der wird mit einem Schraubendreher aufgehebelt. Anschließend lassen sich alle Teile der Winsch nach oben abheben.

brockenDreck und verhärtetes Schmiermittel sammelt sich meistens direkt in der Trommel und auf den Walzenlagern in der Trommel. Dort besonders auf die Reihenfolge von Kunststoffringen und Lagern achten. Im Zweifel die einzelnen Schritte mit dem Smartphone fotografieren. Alle Teile reinigen. Große Brocken Fett und Schmutz mit einem Holzstab (macht keine Kratzer) oder Schraubenzieher entfernen.

zahnbuerste-beim-winschen-reinigenDas Getriebe komplett auseinanderzubauen ist oft mühsame Arbeit. Mit aufgesteckter Kurbel lässt sich gut altes Fett entfernen. Je nach Winsch muss aber das komplette Getriebe vollständig zerlegt werden, um auch Zugang zu den Sperrklinken – dem wichtigsten Element jeder Winsch – zu bekommen. Denn Klinken müssen  herausgenommen und ebenfalls gereinigt werden. Dabei lohnt es sich auch, die Federn zumindest zu prüfen, besser aber in jedem Fall zu ersetzen. Abgesehen von klebrigem Fett sind ausgeleierte Federn oft die Hauptursache für folgenschwere Probleme, bei denen schlimmstenfalls die Winsch auf einmal in beide Richtungen frei drehen kann.

Fetten der WalzenlagerNach dem Reinigen folgt das neue Fetten. Viel hilft bei Winschen in aller Regel nicht viel! Das Winschenfett muss zudem frei von Mineralölen sein, da es sonst mit der Zeit verharzt. Aus der Tube reichen etwa fünf Millimeter Fett für ein Ringlager. Das Getriebe wird natürlich ebenfalls bei langsamer Bewegung gefettet. so kann es sich gut im Inneren verteilen.

Zusammenbau

zusammenbau-nutenDas anschließende Zusammensetzen der Winsch erfolgt in umgekehrter Reihenfolge: Alle Teile sollten leicht auf- und ineinander passen. Wenn etwas nicht passt, cool bleiben, einen Schritt zurück gehen und noch einmal genau hinsehen und neu probieren. Hin und wieder ist es wichtig, dass ein Teil in exakt der richtigen Lage montiert wird. Dieser Selftailer hat beispielsweise eine runde Nut (siehe rote Pfeile). Er passt nur in dieser Stellung übereinander.

Um die Scheiben am Schluss einzusetzen, hebt man den inneren Teil der Winsch leicht an. Sonst passt der Deckel nicht. – Alles fest schrauben, fertig!

(Fotos: Susanne Wiedemann)

Vielen Dank für die ergänzenden Hinweise zur ersten Fassung an Björn Rosemann von Sailtec.

Von |2017-12-20T14:40:08+00:007. Juli 2016|Wartung & Pflege|1 Kommentar

About the Author:

Susanne segelt vor allem allein, dann aber auch gern mal weit weg. Zum Beispiel nach Norwegen und ohne Motor wieder zurück. Mit ihrem neuen Schiff ist sie vor allem im Englischen Kanal und auf der der angrenzenden Nordsee unterwegs.

Ein Kommentar

  1. Björn Rosemann 11. Dezember 2017 um 12:27 Uhr - Antworten

    Hallo,
    zur Verbesserung dieser Beschreibung ein paar Tipps:
    – Petroleum eignet sich nicht für die Winschwartung, da dieses einen leichten Fettfilm hinterlässt, auf welchem das Winschfett u.U. nicht hält und „runterfließt“ -> lieber Waschbenzin (Bremsenreiniger) oder Diesel (ist aber etwas schmutziger beim Arbeiten) und auch unter Umständen bei hartnäckiger Verschmutzung eine Nacht drin einweichen lassen.
    – lieber auf die Bezeichnung Winschfett achten, da diese Fette speziell formuliert sind und auch eine stabilere Matrix bei höheren Temperaturen haben (oftmals schwarze Winschen, bei denen es bei hoher Sonneneinstrahlung sehr schnell sehr warm unter der „Glocke“ werden kann und bei Betätigung der Winsch das Fett hinausfließen könnte)
    – es ist sogar dringend notwendig bei jeder Wartung die Winsch komplett (also auch mit Getriebe) auseinander zu bauen, da darin die wichtigsten Teile sind: Die Sperrklinken und dessen Federn (Federn am besten bei jeder Wartung mit tauschen). Klinken raus und alles sauber machen, weil wenn dahinter das Fett doch mal klebrig wird und die Klinken dementsprechend kleben bleiben, weil auch die Federn u.U. mittlerweile ihre Federkraft etwas verloren haben, die WInsch in beide Richtungen durchdrehen kann. Und jetzt Stellen Sie sich das einmal vor, wenn Sie gerade jemanden im Bootsmannstuhl den Mast hochziehen… Also ganz wichtig: Klinken und Federn mit säubern/tauschen. Diese denn nicht mit Fett sondern mit Öl wieder einsetzten (auch hier auf synthetisches Öl achten, manche Hersteller wie Lewmar bieten sogar spezielles Öl extra für die Winschpflege an)

    Das ganze soll konstuktive Kritik darstellen und wird hoffentlich auch so auf- und angenommen! 😉

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