Sébastien Josse wird etwa 75 Tage allein auf See um die Welt fegen

Sébastien Josse wird etwa 75 Tage allein auf See um die Welt fegen

Am 6. November startet in Frankreich die neueste Auflage des Vendée Globe, einem der härtesten Segelrennen der Welt: Nonstop, einhand, ohne materielle Hilfe von außen. Mit am Start bei Les Sables-d’Olonne wird der 41jährige Sébastien Josse als Skipper der Edmond de Rothschild sein, der auf diese Weise seine fünfte Weltumsegelung unternimmt. Bereits mit 29 segelte er sein erstes Vendée Globe.

Während ein normaler Segler mit einer Fahrtenyacht für die Reise um den Globus und etwas Sightseeing entlang der Barfußroute mindestens zwei Jahre einplanen muss, fegen die Open 60 ohne anzuhalten in knapp 75 Tagen um die Welt. Dabei geht es Weitgehend entlang der klassischen Clipper-Route: Durch den Atlantik nach Süden, um die Südspitze Afrikas, südlich an Australien vorbei und um Kap Hoorn herum, bevor es wieder nach Norden zum Ausgangspunkt des Abenteuers zurück geht.

Das wird dieses Jahr vielleicht sogar noch deutlich früher als bisher passieren, denn in der 2016/2017-Ausgabe des Traditionsreichen Rennens sind zu ersten Mal kleine Foils an den Booten erlaubt. Anders als auf Mehrrumpfbooten heben sie dabei das Boot zwar nicht so deutlich aus dem Wasser, erlauben aber den Flug dicht über der Wasseroberfläche und da Monohulls Lage schieben, ragen die Foils auch seitlich aus dem Rumpf heraus. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt Skipper Amel Le Cléac’h in einem eindrucksvollen Video. Der Skipper der Banque Populairei VIII gilt als einer der Favoriten auf das Siegertreppchen.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=ufpGh_c-fOU

 

Der Film lässt erahnen, was auf die Teilnehmer des Rennens zukommt. Die Wahl der Route verspricht Chancen auf atlantische Winterstürme zu Beginn und Ende der Fahrt in der Biskaya. Der größte Teil der Reise aber liegt auf der Südhalbkugel und findet daher im Sommer statt. Doch was bedeutet schon Sommer, wenn man entlang der Roaring Forties als Schnellster um einen Planeten fegen will?

Nach Sommerurlaub sieht daher auch die Packliste der Extremsegler nicht aus. Was die Teilnehmer persönlich unter Deck erwartet, verrät Sébastien Josse. Der hat einen Blick auf seine Ausrüsungsliste gewährt und lässt sich in die Schapps schauen, auch wenn die im Falle eines Open 60 lediglich ein Schlitten aus Carbon sind, der zum Gewichtstrimm mit Leinen von einer Seite auf die andere verschoben werden kann.

Das ist alles an Bord eines Open 60 bei der Vendée Globe

Packliste eines Vende Globe Skippers: Die persönliche Ausrüstung wird in Behältern (3) auf einem Schlitten verstaut und kann so für Gewichtstrimm eingesetzt werden (Foto: Yann ZEDDA / Gitana S.A)

Die persönliche Ausrüstung wird in Behältern (3) auf einem Schlitten verstaut und kann so für Gewichtstrimm eingesetzt werden. (Foto: Yann ZEDDA / Gitana S.A)

Sicherheitsausrüstung

Auch Extremabenteurer müssen sich an die Ausrüstungsvorgaben am Ausgangshafen in Frankreich halten. Daher beginnt die Ausrüstungsliste eines Vendée Globe Open 60 mit einem Rettungsring. Ihm folgen Feuerlöscher, Seenotfackeln und Raketen, EPIRB, Neoprenanzug, Rettungsinsel, Sattelitentelefon, Life-Belt, automatische Rettungsweste, Blitzlicht…

Segel

Zur Vendée Globe gehen neun Segel mit auf die Reise (ein Groß und acht Vorsegel). Alle zusammen wiegen gut eine halbe Tonne.

Leinen

Obwohl die Reise nicht einmal 80 Tage dauern soll, ist die Belastung für das Material deutlich größer als bei der vergleichbaren zwei Jahre dauernden Variante eines Fahrtenseglers. Zum Einsatz kommen Dynemmaleinen und für alle verwendeten Leinen gibt es Ersatz an Bord.

Werkzeug und Ersatzteile

Als Einhandsegler ist der Skipper bei allen Defekten auf sich allein gestellt. Beratung per Satellitentelefon ist zwar möglich, Ausführen muss er die Arbeiten aber selbst. Neben einem klassischen Werkzeugkasten gibt es auch GFK-Reperatur-Kits für Schäden am Carbon-Rumpf und Ausrüstung, um einfache Lötarbeiten an der Elektronik vorzunehmen. Außerdem Wartungsmaterial, wie beispielsweise Winschenfett, Segelreperatursets, Latten und auch einige Ersatzteile für den Motor im Notfall.

Navigation

Die Navigation erfolgt fast ausschließlich am Computer und alle erfassten Daten und Informationen über das Boot sind sowohl am Kartentisch unter Deck, als auch auf einem Bildschirm im Cockpit verfügbar. Im Notfall steht ein zweiter Navigationscomputer zur Verfügung. Trotzdem finden sich auch Seekarten aus Papier, Leuchtfeuerverzeichnisse und Revierhandbücher als Reserve an Bord.

Unterhaltung und Berichterstattung

Für Bilder und Videos von unterwegs gibt es in diesem Jahr sogar eine Bordeigene Drone. Außerdem ein iPad und ein iPhone. Für Musik gibt es einen portablen Bluetooth Lautsprecher. Per Sattellitenfunk sind die Computer mit dem Internet verbunden, um bilder und Videos hochzulade oder mit dem Land-Team zu kommunizieren.

Schlafen

Richtiger Schlaf ist beim Einhandsegeln Luxus, Josses wird meistens auf einem großen Beanbag dösen, den er je nach Lage und Wetter einfach an irgendwo an Bord positioniert. Für die wenigen ruhigen Momente mit richtigem Schlaf gibt es zudem eine Koje, einen Schlafsack und sogar einen speziellen Helm mit einer aktiven Geräuschdämpfung.

Hygiene

Geduscht wird mit See-, bzw. Regenwasser, und einer biologisch abbaubaren Seife. Ansonsten besteht die Bordhygiene vor allem aus Babytüchern, Sonnencreme, Wundcreme, Zahnbürste und –paste, sowie ausreichend Rasierschaum und Klingen für eine Rasur pro Woche. Ob die Zahnbürste, wie die Regattalegende sagt, abgesägt ist, lässt sich nicht herausfinden.

Medizinische Ausrüstung

Bordapotheke und Erste-Hilfe-Kasten werden von der French Sailing Federation (FFVoile) und der International Sailing Federation (ISAF) vorgegeben. Dadurch ist sichergestellt, dass die Ausrüstung den umfangreichen medizinischen Trainings entspricht und der Skipper sich selbst Versorgen kann. Die Ausstattung reicht vom Heftpflaster bis zum Tacker für Platzwunden. Alle Teilnehmer haben die gleichen Sets an Bord und die Ärzte im Race-Village wissen genau, was sich darin befindet, um den Seglern Anweisungen geben zu können.

Kochen

Edel-Astronauten-Futter: Die Mahlzeiten für den Törn sind vom Sternekoch Julien Gatillon vorbereitet und anschließend Gefriergetrocknet

Edel-Astronauten-Futter: Die Mahlzeiten für den Törn sind vom Sternekoch Julien Gatillon vorbereitet und anschließend Gefriergetrocknet

Die Vendée Globe Pantry ist der „Jet Boil“. Am Besten wird der als Aluminiumschüssel auf einer Lötlampe beschrieben. Wasser kocht darin in weniger als einer Minute und 90 Prozent des Proviants sind gefriergetrocknete Mahlzeiten. Die gesamte Verpflegung ist in Tagespakete eingeteilt. Auf der Edmond de Rothschild gibt es zudem einen kleinen Bonus: Die Mahlzeiten für den Törn sind vom Sternekoch Julien Gatillon vorbereitet und zum Feiern besonderer Etappen sind natürlich zwei Flaschen Baron de Rothschild Champagner dabei. – Fehlt nur noch die passende Begleitung.

Kleidung

Zwei Garnituren Ölzeug werden wohl die mehr oder weniger ständige Arbeitskleidung an Bord sein. Eine Garnitur ist für die Tropendurchfahrten und entsprechend leicht, die andere warm für die Etappen weiter südlich. Für ganz harte Tage ist zudem noch ein Trockenanzug an Bord. Außerdem rund zehn Unterzieher aus Merinowolle mit eingearbeiteten Knie und Ellenbogenschützern. Dazu gibt es eine Rettungsweste mit Life-Belt für Mannöver auf dem Vorschiff und harte Bedingungen, und einen Helm, falls Arbeiten im Mast nötig sind.