In Kooperation mit der South Coast Baltic Marketing Initiative

Noch geben die letzten Fischer dem Hafen von Svaneke ihren Charakter. Doch die Segler sind klar in der Überzahl.

Nach Bornholm segeln dauert. Wir nehmen von der polnischen Küste am Abend Kurs auf Dänemarks abgelegene Ostseeinsel. Fünfzig lange Meilen liegen unter Motor liegen vor uns. Dort angekommen haben wir einen ganzen Tag, um einen Eindruck zu bekommen. – Für mich der erste Eindruck. Bisher lag die Insel immer entweder zu nah, oder zu fern.

Auf dem Sprung von Rügen nach Schweden dient sie vielen Crew als Hafen für eine Nacht. Unser Reiseplan ist anders: Die Überfahrt im einsetzenden Dunkel diktiert die Ankunft auf frühestens halb fünf Uhr morgens. Damit bleibt ein ganzer Tag, um einen bleibenden Eindruck zu gewinnen.

„Die Insel ist aber viel mehr als einen Pitstop auf der Durchreise“, verrät Ea Krogstrup. Sie lebt seit fünf Jahren auf Bornholm, kam her, hat sich in die Landschaft, die Leute und das Wetter verliebt.

Svaneke am Morgen

Seit dem kümmert sie sich bei der Gemeindeverwaltung um die Häfen. Da gibt es viel zu tun, denn weit ab vom dänischen Festland erfindet sich Bornholm seit einigen Jahren komplett neu. Das mag mit der wachsenden Beliebtheit diverser Outdoorsportarten begonnen haben, als Segelziel lohnt es dadurch noch mehr.

Rund 300 Tage im Jahr scheint die Sonne. Und wenn nicht, dann ist die Insel zu klein und zu flach, um ein Hindernis für Regenwolken zu sein. Als tiefgraue Episode rauschen sie einfach darüber hinweg.

Das geschäftige Treiben dieses Sommertags kommt dann im Hafen von Svaneke für einen Moment zum Erliegen. Das Wirrwarr von Stimmen in dem großen offenen Café, das sich vom Hafen bis auf hie höher gelegene Küstenbefestigung erstreckt, leert sich in Sekunden. Eben noch flanierende Touristen kauern unter Dachvorsprüngen. Die Kulisse ihrer Gespräche rund um das Hafenbecken wird vom prasselnden Knattern der dicken Tropfen erstickt.

Keine zehn Minuten später dreht sich die Szene um: Der Regen stoppt, das Geplauder übernimmt wieder die Oberhand. Eine Schaar Kellner macht sich mit Lappen und Handtüchern über Tische und Sitzplätze her, um die Spuren der kurzen Unterbrechung verschwinden zu lassen.

Blick in den Sonnenaufgang über die Tische des Restaurants Svanereden im Hafen von Svaneke

Irgendwo ertönt eine Trompetenmelodie. – „Der Regen ist vorbei, das ist das Zeichen“, erklärt Ea Krogstrup. Die Touristen und Einheimischen verstehen es und verlassen ihre Schlupfwinkel. Die Sommersonne hat zu diesem Zeitpunkt bis auf die grpßen Pfützen bereits die letzten Spuren des Schauers vom Asphalt verdampft.

Cafés, Essen, ein Quäntchen Kitsch. Die Mischung prägt den Charme von Svaneke und hat das Hafenstädtchen in die Top 3 der beliebtesten Ausflugziele Dänemarks gebracht.

Bornholmer Küche

In den Gassen laden alte Fachwerkhäuser in bunten Farben zum Flanieren ein. Viele davon beherbergen Galerien, Cafés und andere Geschäfte. Einen großen Teil seiner Beliebtheit verdankt der Ort aber auch der wachsenden Bornholmer Foodieszene:

Seit auf der Insel Michelin-Sterne zu finden sind, herrscht Goldgräberstimmung in den Restaurants. Mitten in der Ostsee, gut zu erreichen von Schweden, Polen, Deutschland und aus der dänischen Metropolregion Kopenhagens, ist ein Ziel für neugierige Gaumen entstanden; gerade eben noch exotisch und trotzdem schon nahe genug für Kurzurlaube und Ausflüge.

Das gilt auch für das „Svaneke Bryghus Restaurant„, dessen Besitzer sich im Jahr 2000 auf das Abenteuer einer Kleinbrauerei eingelassen hat und in diesem Jahr fast zwei Millionen Liter seines Bieres produziert. Natürlich IPA – Indian Pale Ale., Natürlich 100% ökologisch. Beides ist heute kaum ein Alleinstellungsmerkmal für eine kleine Brauerei.

Ein eigenes IPA für unsere Reise

Aber auch kein Bier passt besser auf eine Insel als das unumstrittene Flaggschiff der Craft-Bier-Szene. Schließlich liegen die Ursprüng des IPA selbst in der Seefahrt: Viel englisches Ale verdarb auf dem Weg aus der Heimat nach Indien. Dabei bringt Bier mit den Gerb- und Bitterstoffen aus dem Hopfen, sowie seinem Alkohol, bereits ein eigenes Konservierungsmittel mit.

Mehr von beidem war die Lösung. – Dass ein aufgehopftes Starkbier unter Seeleuten und Soldaten fern der Heimat schnell viele Liebhaber findet, ist selbsterklärend..

Seit dem Boom der internationalen Mikro-Brauerei-Szene, reicht ein Bier für eine Erfolgsgeschichte nicht mehr aus. Dazu braucht es auch eine gute Küche. Im Svaneke Bryghus Restaurant versteht man sich darum auch darauf, die Grundsteine der lokalen Küche zu erweitern und sie raffiniert neu zu erfinden, ohne ihre Wurzeln dabei zu zerstören.

Bei Bornholmer Küche drängt sich der Gedanke an den Fisch der Ostsee förmlich auf. Mit dem Rückgang lokaler Fischerei ist dieses Fundament allerdings ins Wanken geraten. Die Küchenchefs von heute müssen kreativ und sparsam mit den Anlandungen der verbliebenen Fischer umgehen. Erweitert um Produkte der einheimischen Landwirtschaft wuchsen aus simplen Fischgerichten raffinierte Platten großer Vielfalt.

Das schließt den Kreis, der in Zukunft auf der Insel steten Wandel bringt: Die Fischerhäfen, einst Lebensmittelpunkt der Insel haben sich längst zu lebendigen Yacht-Marinas gemausert. Jüngere Generationen arbeiten hier nicht mehr harten Fischereigewerbe. Sie sind mit Segelyachten an den Kaimauern aufgewachsen und kennen die Kutterflotten eher aus Erzählungen. Ihre Perspektiven sind heute mehr denn je darauf ausgerichtet, Bornholm als Erlebnisort zu verstehen. – Für sich selbst und für die Touristen.

Das ist ein Prozess, auf den auch die Wahl-Bornholmerin Ea Krogstrup einen wesentlichen Einfluss hat: „Die Häfen sind auf Bornholm, was in anderen Städten die Marktplätze sind. Die Städte haben sich um die Häfen gebildet und stellen auch heute noch das Zentrum dieser Orte und dar.“ Und die Bewohner der Insel treten diese Zentren nicht an die Touristen ab, sie bleiben präsent. Und sei es, indem sie morgens in Svaneke, Einer nach dem Anderen, in Bademantel und Puschen durch den Hafen zur Schwimmstelle klappern, während auf unserem Boot nach 28 Stunden auf Bornholm langsam wieder Geschäftigkeit einkehrt.

Nach einem Tag verlassen wir die Insel. Wir haben etwas mehr als einen Pit Stop gemacht und reisen nun zusammen mit 18 anderen Booten der South Coast Baltic Boating Rally 2019 zurück ans polnische Festland. Dort wird einiges anders werden.

Mehr Infos zur South Coast Baltic Boating Rally gibt es auch in einem Kurzen Segelradio zu hören

 

South Coast Baltic Boating Rally 2019

Mit "SegelnBlogs" und "Segelradio" an Polens Küste. Wir sind mit dabei, wenn es in der kommenden Woche zum vierten Mal mit der South Coast Baltic Boating Rally auf Tour geht. Am 4. August startet das Event in Svaneke auf Bornholm nach Darłowo (Rügenwalde) im polnischen Zachodniopomorskie (Westpommern). Weiter geht es, immer der Küste entlang, über Kołobrzeg (Kolberg) und Šwinoujscie (Swinemünde) in Richtung Westen bis nach Szczecin (Stettin) und ins Stettiner Haff. Schluss des Törns am 14. August bilden die deutschen Orte Krummin, Greifswald und Kröslin. Coverbild: Evelina Valaityte