Es gibt noch Frachtensegler auf den Weltmeeren. Einer davon ist die Kwai. Von Hawaii aus unternimmt sie regelmäßige Fahrten und liefert Waren beispielsweise nach Kiribati. Zwischendurch sammelt ihre Crew herrenlose Fischernetze im „Gyre“, dem Zentrum des pazifischen Wirbels, in dem sich in den letzten Jahrzehnten Unmengen treibenden Mülls tummeln.

Markieren und Einsammeln. Die Kwai sucht geziehlt nach Fischernetzen. GPS-Marker helfen, sie zu finden.

Dieser „Pacific Garage Patch“ ist nun um 103 Tonnen herrenlos treibender Fischernetze und anderen Mülls leichter. So viel hat die Kwai von ihrer letzten Fahrt nach Hawaii zur fachgerechten Entsorgung mitgebracht. Der Organisator des Törns, Ocean Voyages Institute, hat damit seinen Anteil am Müllsammeln im Meer im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Statt vereinzelt Müll aufzusammeln, gehen die Müllsammler an Bord der Kwai systematisch vor: Mit GPS-Trackern markierte Netze führen die Besatzung zu Regionen, in denen sich der Müll in Strömungswirbeln samelt. Dort muss er dann nur noch eingesammelt werden:

„Die Weltmeere können nicht darauf warten, dass sich diese Fischernetze zu Mikroplastik zersetzen, das dann die Ozeane hindert, CO2 zu binden und die empfindliche Nahrungskette im Wasser vergiftet“, sagt Mary Crowley, Gründerin des Ocean Voyages Institute auf der Webseite der Kwai.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=U7Ka0stsTO0

GPS gegen herrenlose Fischernetze

In einem gemeinsamen Aufruf des Ocean Voyages Institute und der Betreiber des Frachtseglers werden schon seit einer Weile Skipper aufgerufen, mit kleinen GPS-Markern treibende Netze zwischen Hawaii und den USA zu markieren. Die GPS-Tracker dazu werden von der Organisation kostenlos zur Verfügung gestellt und an Yachten in der Region verteilt. Auf weiteren Fahrten sammelt die Kwai dann diese Netze ein.

Sicher selber Netze fischen

Treibgut gibt es aber natürlich auch in europäischen Gewässern zu genüge. Wer selbst Müll im Meer sammeln will, sollte dabei aber mit Bedacht vorgehen:

Kommerzielle Fischernetze sind für durchschnittliche Segelyachten ohnehin zu groß. Wer ein großes Netz entdeckt, informiert daher besser die regionalen Küstenwachen über dessen Koordinaten. Das Markieren solcher Funde, z.B. mit einer MOB-Boje, ist dabei übrigens keine gute Idee. Diese Bojen sollen ja im Ursprünglichen Sinn gerade dazu verleiten, einen extra Umweg zu machen, um nachzusehen, was da los ist. – So lockt eine MOB-Markierung dann zusätzlich Crews in die Gefahrenzone.

Häufig ziehen treibende Netze lange Taue oder angerissene Stücke vom Netz hinter sich her.

Kleine Netze oder Teile davon können zwar leicht mit einem Bootshaken eingefangen werden und lassen sich zum Beispiel mit einer Tailje am Baum an Bord heben. Ganz risikolos ist das aber auch nicht: Sehr schnell geraten abgerissene Enden oder Tauwerk in die eigene Schraube.  Treiben Teile des Netzes an der Oberfläche, führt der sicherste Weg darum in der Regel aus Lee zum herrenlosen Netz. Der Wind schiebt das Treibgut im Wasser vor sich her und lose Enden befinden sich daher meist in Luv vom Treibgut. In unmittelbarer Nähe zum Netz sollte die Schraube dann ausgekuppelt sein.

Mit 103 Tonnen Müll kam die Kwai nach Hawaii.

Überhaupt ist das Bergen von Müll eine hervorragende Übung in Sachen Bootshandling: Aufschießer unter Segeln und alle möglichen Varianten von Crew-über-Bord-Manövern lassen sich dabei hervorragend üben.

Zudem lohnt es sich, für solche Funde einen extra Behälter an Bord zu haben: Taue und Netze beginnen an Deck in der Sonne nach kurzer Zeit unangenehm zu riechen, Muschelbewuchs droht schnell Kratzer im Deck zu hinterlassen und vermutlich findet sich auch der eine oder andere verendete Fisch im Netz. Ein einfacher aber stabiler Sack für Gartenabfälle aus dem Baumarkt ist als Transportbehälter ideal. Unbenutzt nimmt er kaum Platz in der Backskiste ein, lässt sich mit seinen Tragegriffen aber schnell und bequem auf der Badeplattform festlaschen.

Wohin mit Fischernetzen an Land?

Wurden nur kleine Netze geborgen, können die als gewöhnliche Kunstoffabfälle im Hafenmüll an Land entsorgt werden. In größeren Häfen mit Fischereibetrieb finden sich an den Molen der Kutter häufig extra Müllcontainer für Netze. Der erste Weg zur fachgerechten Entsorgung sollte aber immer zum Hafenmeister führen. Nur der kennt die örtlichen Vorgaben der Entsorgungsbetriebe und er ist es auch, der ggf. das Netz aus einem falschen Müll-Container wieder herausholen muss.